Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle und Nachhaltigkeit werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Die Bauindustrie steht auch im Jahr 2026 weiterhin unter erheblichem Druck und befindet sich in einem anhaltenden Anpassungsprozess. Eine wirtschaftliche Trendwende ist bislang ausgeblieben, während hohe Baukosten, volatile Material- und Energiepreise sowie zurückhaltende Investitionen dazu führen, dass Projekte verschoben oder ganz gestrichen werden. Der Kostendruck gilt branchenübergreifend als zentrale Herausforderung, von der nahezu alle Unternehmen betroffen sind. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der PwC-Studie, dass sich mehr als die Hälfte der Akteure aktiv mit einer strategischen Neuausrichtung und der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auseinandersetzt, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Auch geopolitische Entwicklungen verschärfen die Situation: Mehr als die Hälfte der Unternehmen berichtet, stark von globalen Unsicherheiten betroffen zu sein. Besonders Bauzulieferer stehen aufgrund ihrer Abhängigkeit von internationalen Lieferketten unter Druck. Neben Kostensteigerungen zählen bürokratische Hürden, Fachkräftemangel sowie Projektverschiebungen zu den größten Belastungsfaktoren der Branche. Gleichzeitig zeigen sich erste Verschiebungen innerhalb der Herausforderungen, etwa eine geringere Bedeutung von Materialengpässen gegenüber den Vorjahren, während Projektstornierungen deutlich zunehmen.
Trotz der angespannten Lage bleibt die Transformation der Branche zentraler Hebel für zukünftigen Erfolg. Besonders die Digitalisierung bietet große Potenziale, wird jedoch bislang nur unzureichend umgesetzt. Technologien wie künstliche Intelligenz, Cloud-Anwendungen oder Simulationen versprechen Effizienzgewinne und Kostensenkungen, doch es besteht weiterhin eine deutliche Lücke zwischen den erkannten Möglichkeiten und den vorhandenen Fähigkeiten. Fehlendes Fachwissen sowie steigende Anforderungen an die Cybersicherheit zählen zu den größten Hemmnissen. Entsprechend bleibt die digitalisierte Baustelle in vielen Bereichen noch Zukunftsvision, während digitale Lösungen aktuell vor allem unterstützende Funktionen erfüllen.
Künstliche Intelligenz wird vor allem in administrativen, planungsintensiven und datengetriebenen Bereichen als besonders wirkungsvoll eingeschätzt, während ihr Einsatz auf der Baustelle bislang begrenzt bleibt. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Branche für eine erfolgreiche Digitalisierung vor allem bessere Rahmenbedingungen fordert, darunter den Ausbau digitaler Infrastruktur und den Abbau regulatorischer Hürden.
Neben der Digitalisierung gewinnt auch das Thema Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung, obwohl regulatorische Vorgaben zuletzt teilweise gelockert wurden. Für viele Unternehmen entwickelt sich Nachhaltigkeit zunehmend von einer Pflichtaufgabe zu einem strategischen Faktor. Treiber sind dabei weniger gesetzliche Anforderungen als vielmehr Aspekte wie Reputation, Wettbewerbsfähigkeit und Mitarbeiterbindung. Ein Großteil der Unternehmen hat bereits eigene ESG-Ziele definiert, orientiert sich jedoch zunehmend an internen statt externen Vorgaben.
Gleichzeitig sinken die Umsetzungsbarrieren: Herausforderungen wie fehlendes Know-how oder geringe interne Akzeptanz nehmen ab, während regulatorische Rahmenbedingungen als zentrale Hürde bestehen bleiben. Insgesamt zeigt sich, dass die Bauindustrie zunehmend Verantwortung für ihre Transformation übernimmt und Nachhaltigkeit stärker in die eigene Unternehmensstrategie integriert.
Die Studie macht deutlich, dass sich die Branche in einer entscheidenden Phase befindet. Kurzfristige Impulse allein reichen nicht aus, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen. Vielmehr entscheidet die Fähigkeit zur konsequenten Transformation darüber, welche Unternehmen langfristig erfolgreich sein werden. Digitalisierung, nachhaltiges Wirtschaften und strategische Neuausrichtung entwickeln sich damit zu den zentralen Stellhebeln für die Zukunft der Bauindustrie.


