Einfach Bauen – spart eine Wohnraum­lüftungsanlage Kosten und Energie?

In Bad Aibling wurden 2020 drei Wohngebäude als Forschungshäuser aus Mauerwerk, Holz und Beton errichtet. Dabei wurde die Komplexität durch einfache Konstruktion und reduzierte Gebäudetechnik verringert. Auf eine Lüftungsanlage wurde verzichtet. In den innenliegenden Bädern wurde eine präsenzgeführte Abluft eingebaut. In der Untersuchung wird der Frage nachgegangen, ob es besser gewesen wäre, eine Wohnraumlüftungsanlage in den Forschungshäusern zu installieren. Vier Varianten werden miteinander verglichen: Szenario A: Fensterlüftung und Badabluft präsenzgeführt (wie gebaut); Szenario B: Fensterlüftung und Bad­abluft präsenzgeführt mit Grundlüftung; Szenario C: dezentrale Einzelraumlüfter mit Wärmerückgewinnung; Szenario D: zentrale Wohnraumbelüftung mit Wärmerückgewinnung. Die Umweltwirkung und die Kosten der jeweiligen Lüftungssysteme wurden verursacht durch Technikeinsatz, Wartung und Betriebsenergie über den Lebenszyklus betrachtet. Szenario A (wie gebaut) schneidet in den untersuchten Dimensionen Kosten, nicht erneuerbare ­Primärenergie und Treibhauspotenzial jeweils am besten ab. Vor allem die Varianten C und D müssten eine hohe Einsparung beim Wärmebedarf realisieren, um die negativen Umweltwirkungen durch die Wohnraumlüftungsanlagen auszugleichen. Bei Vergleichsmessungen in der Praxis konnten keine entsprechenden Einsparungseffekte ermittelt werden. Eine maschinelle Wohnraumlüftung ist nicht geeignet, um die Umweltwirkung oder die Lebenszykluskosten des Projekts zu verbessern.

Gegenüberstellung des Lüftungsverhaltens von Bewohnern in Gebäuden mit Fensterlüftung und Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG)

Jarmer, T. (2023) Einfach Bauen – spart eine Wohnraumlüftungsanlage Kosten und Energie? Bautechnik 100, H. 1, S. 23–34. https://doi.org/10.1002/bate.202200085

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