„Recycling transparent machen”

Anzeige

Die Bauwirtschaft steht unter wachsendem Druck, Nachhaltigkeit nicht nur zu versprechen, sondern auch nachzuweisen. Mit der neuen Recycled Content Declaration (RCD) hat das Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) ein Instrument entwickelt, das Herstellern, Planenden und Auftraggebern belastbare Angaben zum Recyclinganteil von Bauprodukten liefert. Wir sprachen mit Florian Pronold, Geschäftsführer des IBU, über Ziele, Vorteile und den Ablauf.

Herr Pronold, was genau ist die RCD und warum braucht es sie?

Die Recycled Content Declaration bietet Bauprodukteherstellern die Möglichkeit, transparent auszuweisen, wie hoch der tatsächliche Recyclinganteil in ihrem konkreten Bauprodukt ist. Das ist entscheidend – sei es für Nachweise gegenüber Fördermittelgebern, in Vergabeverfahren oder bei Gebäudezertifizierungen, in denen Nachhaltigkeitsdaten abgefragt werden.

Wir sehen, dass die Anforderungen aus dem Markt immer stärker werden: Architekt:innen, Investor:innen und auch die öffentliche Hand erwarten glaubwürdige, geprüfte Nachhaltigkeitsnachweise. Genau dafür wurde die RCD entwickelt.

Welche Vorteile bietet die RCD im Vergleich zu bisherigen Lösungen?

Ein ganz wesentlicher Vorteil ist die Transparenz. Schon bei der Entwicklung war das ein zentraler Anspruch, um Glaubwürdigkeit sicherzustellen. Außerdem basiert die RCD auf etablierten internationalen Standards wie der ISO 14021, ergänzt durch Vorgaben aus der EN 45557 und der neuen Normenreihe zur Circular Economy (ISO 59020). Klare Rechenregeln und geprüfte Angaben ermöglichen Herstellern, einen nachvollziehbaren und überprüfbaren Nachweis vorzulegen.

No caption found

Wie läuft der Prozess für Hersteller konkret ab?

Wenn ein Bauproduktehersteller eine RCD erstellen möchte, arbeitet er zusammen mit einem Ökobilanzierer – das kann intern oder extern sein. Die relevanten Daten werden nach den IBU-Regeln erfasst und in eine Muster-RCD eingetragen. Die erstellte RCD wird beim IBU eingereicht und durch unabhängige Verifizierer geprüft. Sobald alles in Ordnung ist, wird die RCD durch das IBU beglaubigt und veröffentlicht – sowohl in der Datenbank des IBU als auch durch den Hersteller.

Wie unterscheidet sich eine RCD von einer klassischen Umwelt-Produktdeklaration (EPD)?

Eine EPD gibt umfassende Informationen über die Umwelteigenschaften eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus. Darin sind zwar auch Angaben zum Recycling enthalten, aber nur in geringem Umfang.

Die RCD schließt hier eine Lücke: Sie legt den Fokus ausschließlich auf den Recyclinganteil und schafft damit einen eigenständigen, verifizierten Nachweis. Hersteller können eine RCD unabhängig von einer EPD beantragen – oder, besonders effizient, beides gemeinsam einreichen.

Stichwort Kosten: Mit welchem Aufwand müssen Hersteller rechnen?

Das IBU orientiert sich einem Verifizierungsaufwand von etwa 2.500 Euro für eine RCD. Wird eine RCD zusammen mit einer neuen EPD eingereicht, sinken die Kosten, da sich die Daten in der Verifizierung von EPD und RCD zum Teil überschneiden. Für Mitglieder gilt: Wenn eine RCD ohne begleitende EPD eingereicht wird, liegt die Pauschale bei 2.000 Euro. Wird die RCD zusammen mit einer neuen EPD eingereicht, reduzieren sich die Kosten deutlich. Zudem gibt es Preisvorteile, wenn mehrere RCDs auf demselben Hintergrundbericht basieren.

Ihr Fazit: Was bringt die RCD dem Markt?

Die RCD macht Rezyklat-Anteile in Bauprodukten transparent, nachvollziehbar und vergleichbar. In Italien ist dieser Nachweis bei öffentlichen Ausschreibungen (Neubau, Renovierung, Abriss/Wiederaufbau) bereits verpflichtend – ein Signal, sich in Europa frühzeitig auf mögliche Anforderungen vorzubereiten.

www.ibu-epd.com

Jobs

ähnliche Beiträge

Nachhaltige Baustellenprozesse durch mobiles Recycling 

Effiziente Lösungen für Asphalt- und Betonaufbereitung.

Bestandsentwicklung oder Neubau 

Tool zur lebenszyklusorientierten Entscheidungsgrundlage für die frühe Phase der Projektentwicklung und das Bauen im Bestand.

Klimaresiliente Städte planen 

Wassersensible Siedlungsentwicklung, Schwammstadt, Stadtökologie, Blau-grüne Infrastruktur, Klimaangepasste Stadtentwicklung.