Angesichts des steigenden Energiebedarfs im Gebäudebetrieb gewinnt die Entwicklung adaptiver Fassadensysteme zunehmend an Bedeutung. Insbesondere solaraktive Gebäudehüllen bieten Potenzial, durch gezielte Steuerung von Sonneneinstrahlung, Belüftung und Tageslichtnutzung den Energieverbrauch zu senken und gleichzeitig den Nutzerkomfort zu erhöhen.
Das Forschungsprojekt FlectoLine-Fassade verfolgt das Ziel, intelligente, materialbasierte adaptive Fassadenlösungen ohne klassische Antriebs- und Steuerungssysteme zu realisieren. Im Zentrum stehen dabei flexible Faltelemente, die auf bioinspirierten, nachgiebigen Mechanismen basieren und sich durch die elastische Verformbarkeit von FVK-Platten ohne Gelenke auszeichnen. Durch integrierte pneumatische Aktuatoren, präzise programmierte Materialsysteme und gezielte Differenzierung der Steifigkeiten kann eine kontrollierte Faltbewegung bis 90° erreicht werden. Neben einem Hybridmaterialsystem wurde eine thermoplastische Variante entwickelt, die einfacher zu fertigen und recycelbar ist. Umfangreiche Belastungstests belegen die Langlebigkeit beider Systeme. Ergänzend wurden flexible Photovoltaikzellen integriert, um Energie zu gewinnen. Ein digitaler Zwilling mit Sensorik und Wetterdaten steuert die Fassade in Echtzeit.
Der Demonstrator mit 101 individuell verformbaren Elementen auf 83,5 m2 zeigt die technische Umsetzbarkeit und das energetische Potenzial adaptiver Fassadentechnologien der nächsten Generation.
Körner, A.; Martin, E. A. G. S.; Born, L.; Ridder, M.; Moser, S.; Weitlaner, R.; Gresser, G. T.; Knippers, J. (2025) FlectoLine: eine adaptive Fassade für nach-haltige Architektur. Stahlbau 94, Sonderheft Glasbau & Fassade, Ausgabe 2, S. 138–145. https://doi.org/10.1002/stab.70009


