In den vergangenen 150 Jahren hat sich die Wohnfläche pro Person in Deutschland mehr als verdoppelt: von 18,4 m² im Jahr 1956 auf 49,2 m² im Jahr 2024. Dieser Anstieg ist vor allem auf steigende Einkommen und den Bau größerer Wohnungen zurückzuführen. Seit den 2000er-Jahren zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab: Die Größe neu gebauter Wohnungen sinkt, insbesondere in städtischen Mietobjekten. Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen Industrieländern zu beobachten.
Drei Faktoren treiben diese Veränderung: Erstens werden Haushalte kleiner – die durchschnittliche Haushaltsgröße sank von 2,9 Personen im Jahr 1961 auf zwei Personen im Jahr 2021, während der Anteil der Einpersonenhaushalte stark gestiegen ist. Zweitens erschweren steigende Immobilienpreise und Mieten den Zugang zu großen Wohnungen, sodass kleinere Einheiten bevorzugt werden. Drittens schränken neue Flächennutzungsregeln den Bau von Einfamilienhäusern ein, um Bodenversiegelung und hohen Energieverbrauch zu reduzieren.
Der Wohnungsbestand passt sich nur langsam an, da Gebäude über Generationen bestehen. Dennoch reagiert die Bauwirtschaft seit 2005 mit dem Bau kleinerer Wohnungen, vor allem in Mehrfamilienhäusern. Während Einfamilienhäuser weiterhin größer werden, schrumpfen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Prognosen zufolge wird die durchschnittliche Wohnungsgröße bis 2050 von 94 auf etwa 88,5 m² sinken. Dies trägt nicht nur zur Anpassung an die Haushaltsstruktur bei, sondern reduziert auch den Energieverbrauch, da die Wohnfläche pro Kopf der größte Einflussfaktor für den Energiebedarf ist.
Die zentrale Herausforderung bleibt die Diskrepanz zwischen Wohnungsangebot und Haushaltsstruktur. Um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu lindern, sind sowohl der Bau neuer kleiner Wohnungen als auch der Umbau bestehender großer Wohnungen erforderlich.
Zeitalter der immer größer werdenden Wohnungen endet
Konstantin A. Kholodilin, Sebastian Kohl
DIW Wochenbericht 1+2 2026
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.993897.de/26-1-1.pdf


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