Neue Studie zeigt Wege zu mehr Kreislaufwirtschaft im Brückenbau

Mit dem Bericht Steel Reuse in Bridges legt das britische Ingenieurbüro Expedition Engineering eine wichtige Analyse zur Wiederverwendung von Stahl im Brückenbau vor. Die Studie, die mit Unterstützung der Institution of Civil Engineers entstanden ist, untersucht, wie tragender Baustahl aus bestehenden Bauwerken erneut eingesetzt werden kann und welchen Beitrag dies zur Reduktion von CO₂-Emissionen und Ressourcenverbrauch im Infrastrukturbereich leisten kann.
Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Erkenntnis, dass Stahl zwar zu nahezu 100 Prozent recycelbar ist, dass Recycling jedoch weiterhin mit einem erheblichen Energieeinsatz und entsprechenden Emissionen verbunden bleibt. Die direkte Wiederverwendung von Stahlbauteilen bietet demgegenüber ein deutlich größeres Einsparpotenzial. Laut Bericht lassen sich gegenüber neu produziertem Stahl bis zu 97 Prozent der sogenannten grauen Emissionen vermeiden. Gleichzeitig können Materialkosten reduziert werden, da wiederverwendeter Stahl in der Regel deutlich günstiger ist als Neumaterial.
Der Bericht identifiziert drei zentrale Wege zur Stahlwiederverwendung im Brückenbau. Erstens die Versetzung ganzer Brückentragwerke, bei der komplette Überbauten an einem neuen Standort wieder eingesetzt werden. Zweitens die Nutzung von überschüssigen oder ursprünglich für andere Industrien produzierten Stahlbauteilen, die nach entsprechender Prüfung für den Brückenbau ertüchtigt werden. Drittens die Rückgewinnung von Stahl aus bestehenden Bauwerken, etwa im Rahmen von Rückbau- oder Ersatzneubauprojekten, mit anschließender erneuter Verwendung.
Ein besonderer Fokus liegt auf den technischen und regulatorischen Herausforderungen der Wiederverwendung. Dazu zählen Fragen der Materialqualität, der Dokumentation der Herkunft, der Restnutzungsdauer sowie der Ermüdungsfestigkeit, die bei Brücken eine zentrale Rolle spielt. Die Autorinnen und Autoren plädieren für einen stärker prüf- und leistungsbasierten Ansatz bei Zulassung und Nachweisen, anstelle einer ausschließlichen Orientierung an Neuproduktzertifikaten. Gleichzeitig wird eine frühzeitige, ressourcenorientierte Planung empfohlen, bei der verfügbare Bauteile bereits zu Beginn des Entwurfsprozesses berücksichtigt werden.
Anhand von Fallstudien zeigt der Bericht, dass die Wiederverwendung im Brückenbau bereits heute praktikabel ist. Insbesondere Fuß- und Radwegbrücken erweisen sich aufgrund geringerer Verkehrs- und Ermüdungsbeanspruchungen als geeignete Anwendungsfälle. Erfolgreiche Projekte entstehen vor allem dort, wo Bauherren Zugriff auf sowohl das Bestandsbauwerk als auch den Neubau haben und Planer, Ausführende und Materiallieferanten eng zusammenarbeiten.
Steel Reuse in Bridges versteht sich als praxisorientierter Leitfaden und zugleich als Impuls für Politik, Verwaltung und Baupraxis. Der Bericht macht deutlich, dass die Stahlwiederverwendung kein Nischenthema, sondern ein wichtiger Baustein für eine klimaverträgliche und zukunftsfähige Infrastruktur ist. Mit angepassten Rahmenbedingungen, mehr Transparenz über verfügbare Bestandsmaterialien und einem Umdenken in Planung und Vergabepraxis kann die Kreislaufwirtschaft im Brückenbau deutlich an Bedeutung gewinnen.
Steel Reuse in Bridges
Expedition Engineering Ltd (2025)
https://expedition.uk.com/wp-content/uploads/2025/04/Steel-Reuse-in-Bridges-Report_v2.pdf

