7. Symposiums IngD4C zur klimaresilienten, lebenswerten und identitätsstiftenden Stadt

Das 7. Symposium Ingenieurbaukunst – Design for Construction fand im November 2025 in Hamburg sowie online statt und widmete sich unter dem Titel Ingenieurbaukunst der Stadt der Frage, wie Ingenieurbauwerke zur klimaresilienten, funktionalen und identitätsstiftenden Stadt beitragen können. Grundlage bildete das Jahrbuch Ingenieurbaukunst 2026. Durch die Veranstaltung führte nbau Chefredakteur Dr. Bernhard Hauke, der die zentrale Bedeutung ingenieurtechnischer Leistungen für nahezu alle Aspekte urbaner Entwicklung hervorhob.
In ihrer Keynote ordnete Hamburgs Bausenatorin Karen Pein die Ingenieurbaukunst ausdrücklich als Teil der Baukultur ein. Ingenieurbauwerke prägten das Stadtbild, stifteten Identität und müssten technische, gestalterische und gesellschaftliche Anforderungen gleichermaßen erfüllen. Projekte wie die Sternbrücke oder der Neubau der Köhlbrandbrücke zeigten die Bedeutung früher Zielklärungen, interdisziplinären Dialogs und eines hohen gestalterischen Anspruchs. Resilienz bedeute dabei nicht nur Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Veränderungen, sondern auch die langfristige Anpassungsfähigkeit an gesellschaftliche Anforderungen.
Der erste Themenblock befasste sich mit der Zukunftsfähigkeit und Klimaresilienz der Verkehrsinfrastruktur. Christoph Steffan (Schüßler-Plan) zeigte anhand von Projekten der Kölner Verkehrs-Betriebe, dass die Mobilitätswende vor allem im Bestand stattfindet – mit Ertüchtigung von Stationen, verlängerten Bahnsteigen sowie neuen Brandschutz‑, Evakuierungs‑ und Betriebskonzepten. Bartolome Halaczek (Knight Architects) stellte internationale Brückenprojekte vor, bei denen Resilienz auf Extremwetter gezielt in den Entwurf integriert ist. Mit der Elisabethbrücke in Halle (Saale) präsentierte Andreas Danders (SSF Ingenieure) ein Beispiel für modulares, vorgefertigtes Bauen mit reduzierter Bauzeit und geringeren Verkehrs‑ und Umweltbelastungen. In der Diskussion erörterten Andreas Malcher (Werner Sobek AG), Oliver Keller (ReGe Hamburg) und Marko Bida (Schüßler-Plan), wie funktionale Infrastruktur gestalterisch qualitätsvoll und gesellschaftlich akzeptiert umgesetzt werden kann.
Der zweite Themenblock widmete sich dem Zusammenspiel von Stadt und Natur. Prof. Wolfgang Dickhaut (HCU Hamburg), Susanne Tettinger (Sweco) und Sandro Sauer (Henning Larsen) zeigten, wie blau‑grüne Infrastruktur Regenwasser zurückhält, Verdunstung fördert, das Stadtklima verbessert und Biodiversität stärkt. Das ProjektBlueGreen Streets in Hamburg wurde als Übertragungsinstrument von Pilotprojekten in die Regelanwendung vorgestellt. Manuel Boensch (Wetzel von Seht) erläuterte den Grünen Hochbunker Hamburg als Beispiel für die anspruchsvolle Verbindung von Bestand, Tragwerk und intensiver Begrünung. In der Diskussion verwiesen Wolfgang Dickhaut und Bernd von Seht auf offene Fragen zu Betrieb, Zuständigkeiten und langfristiger Verantwortung.
Im dritten Themenblock zur Klimaanpassung stellte Prof. Stephan Engelsmann (Engelsmann Peters) Forschungsergebnisse zu festen und wandelbaren Verschattungssystemen vor und betonte die Bedeutung von Kommunikation und Beteiligung. Henning Klattenhoff (Assmann Beraten + Planen) zeigte mit der Wohnanlage queerbeet, dass Holz‑, Stroh‑ und Lehmbau auch in höheren Gebäudeklassen möglich sind. In der Diskussion mit Prof. Michael Staffa (ifb frohloff staffa kühl ecker) wurde der Zusammenhang von Klimaschutz und Klimaanpassung betont.
Der vierte Themenblock befasste sich mit Urban Mining und Umbaukultur. Clea Kummert (knippershelbig) zeigte am Jugendhaus Regenbogenwald in Darmstadt die Wiederverwendung von Stahlbauteilen. Dr. Jan Wenker (Brünninghoff Group) stellte ein rückbaubares Holz‑Beton‑Verbunddeckensystem vor. Sylvia Glomb (IngenieurGruppe Bauen) erläuterte die komplexe Sanierung der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin. In der Diskussion mit Sandra Niebling (sbp) und Ivana Bradarić Meyer (KREBS + KIEFER) wurde betont, dass Urban Mining klare Rahmenbedingungen und engagierte Bauherren erfordert.
Im abschließenden Gespräch von Bernhard Hauke mit Dr. Stefan Weihrauch, Präsident der Hamburgischen Ingenieurkammer‑Bau, wurde deutlich, dass Ingenieurbaukunst eine zentrale Rolle für die zukunftsfähige Entwicklung der Städte spielt. Das 8. Symposium Ingenieurbaukunst findet im November 2026 zum Thema Transformation in Stuttgart und online statt.

