Alexander Stumm stärkt ökologische Baukompetenz der TH Lübeck

Impulse für den Bestandserhalt: Abriss-Moratorium und Abriss-Atlas


Alexander Stumm ist neuer Professor für die Theorie der Architektur und Stadt. Quelle TH Lübeck
<em>Alexander Stumm</em> ist neuer Professor für die Theorie der Architektur und Stadt. Quelle TH Lübeck

Mit dem Wintersemester 2025/2026 hat Dr. phil. Alexander Stumm die neue Professur für die Theorie der Architektur und Stadt an der Technischen Hochschule Lübeck übernommen. Stumm gilt als eine wichtige Stimme für eine ökologische Bauwende. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement für den Stopp unnötiger Abrisse sowie für mehr Transparenz in Abrissvorhaben. Er ist Initiator des Abriss-Moratoriums, das einen grundlegenden politischen und gesellschaftlichen Wandel beim Umgang mit Gebäudebestand fordert, ebenso wie Mitbegründer des interaktiven Abriss-Atlas, der bundesweit gefährdete oder bereits abgerissene Gebäude sichtbar macht.

Das Abriss-Moratorium setzt sich für einen genehmigungspflichtigen Umgang mit jedem Abriss ein und plädiert dafür, Erhalt, Umbau und Weiterbauen im Bestand zum Standard zu machen, um Ressourcen, graue Energie und baukulturelle Werte zu schützen. Die Initiative begründet ihre Forderung unter anderem damit, dass jährlich 230 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle entstehen, was 55 Prozent des gesamten deutschen Abfallaufkommens entspricht. Die Initiative präsentiert ihre Positionen ausführlich auf Abrissmoratorium.
Der Abriss-Atlas dokumentiert als digitale Karte jene Gebäude, die vom Abriss bedroht oder bereits verschwunden sind. Als Recherche- und Aufklärungsinstrument macht er sichtbar, wie viel Bausubstanz ohne Prüfung ihrer Wiederverwendbarkeit verloren geht. Die Plattform ist unter Abriss-Atlas zugänglich und wird kontinuierlich erweitert.
Stumm betont, dass in Deutschland viel zu häufig funktionstüchtige Gebäude abgerissen und durch teure Neubauten ersetzt werden, obwohl der Gebäudebestand ein enormes Potenzial für Wohnraumschaffung und Klimaschutz bietet. So stammen 55 Prozent der deutschen Abfälle aus der Baubranche – ein Wert, der angesichts der Wohnungsnot und der Klimaschutzziele politisch wie gesellschaftlich brisant ist. Sein Ansatz: Bauen nicht neu erfinden, sondern klüger mit dem vorhandenen Bestand umgehen.

Stumm studierte Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur und Recht an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er seinen Magister Artium erwarb. In seiner Promotion befasste er sich mit architektonischen Konzepten der Rekonstruktion. Seine akademische Spezialisierung entwickelte sich anschließend in Richtung Geschichte und Theorie des ökologischen Bauens. Er kuratierte die Ausstellung „Ökologisches Bauen seit den 1970er Jahren“ und gründete gemeinsam mit Prof. Dr. Philipp Oswalt die Forschungsstelle „Geschichte Ökologisches Bauen“ an der Universität Kassel.

Auch bringt er langjährige Lehrerfahrung an unterschiedlichen Hochschulen mit. Er lehrte unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter und PostDoc im Bereich Architekturtheorie an der TU Berlin, als Dozent für „History of Architecture“ an der Vietnamese-German-University in Ho-Chi-Minh-Stadt sowie in Vertretungsprofessuren an der HSA Dessau und der BTU Cottbus-Senftenberg.

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