Roundtable-Wärmewende-Policy-Paper

Der Roundtable Wärmewende, ein Zusammenschluss aus Akteuren der Energie-, Wohnungs-, Bau- und Infrastrukturbranche, formuliert sieben zentrale Handlungspunkte für einen tragfähigen, praxistauglichen Wärmekonsens. Ziel ist es, die Wärmeversorgung in Deutschland bis 2045 klimaneutral zu gestalten und dabei Kosten, Machbarkeit und soziale Verträglichkeit in Einklang zu bringen.
1. Wirtschaftliche Wärmewende vor Ort ermöglichen
Die Wärmewende muss in Kommunen kostenoptimiert erfolgen. Entscheidend ist, ob erneuerbare Erzeugung, Abwärmenutzung, Effizienzmaßnahmen oder deren Kombination vor Ort die günstigste CO₂-Minderung bieten. Kommunale Wärmepläne schaffen Orientierung. Eine Minimalkostenstrategie über alle Optionen hinweg soll Leitprinzip der Wärmepolitik werden.
2. Verbesserte Rahmenbedingungen für Wärmenetze
Wärmenetze spielen für Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und Resilienz eine zentrale Rolle, werden aber regulatorisch und förderpolitisch benachteiligt. Benötigt werden langfristige Förder- und Rechtsrahmen, u. a. eine Reform der Wärmelieferverordnung, der Ausbau der BEW-Förderung und eine Verlängerung des KWKG bis 2038.
3. Gebäudemodernisierungsgesetz für Planungssicherheit
Das angekündigte Gesetz soll die europäische EPBD technologieoffen umsetzen und wirtschaftliche, zukunftsorientierte Lösungen ermöglichen. Statt verschärfter Sanierungspflichten braucht es ein System, das den Einsatz erneuerbarer Energien am Gebäude, im Quartier und über Netze fördert. Primärenergie- und CO₂-Faktoren sind realistisch und fortschreibbar auszugestalten.
4. Investitionsbooster statt Papiertiger
Für die Umsetzung der Wärmepläne braucht es ein neues Finanzierungsökosystem: bessere Eigenkapitalausstattung von Kommunen und Stadtwerken, Nachrangdarlehen, Bürgschaften, Garantien sowie ein integriertes Zusammenspiel von EIB, KfW und privaten Investoren. Nur so lassen sich die hohen Investitionsbedarfe für Netze, Erzeuger und Speicher decken.
5. Praxisnahe Transformation der Gasverteilnetze
Rund die Hälfte der deutschen Haushalte heizt mit Gas. Diese Netze müssen geordnet stillgelegt oder auf grüne Gase umgestellt werden. Die Transformation soll regional differenziert erfolgen – je nach Potenzialen für Biomethan, Wasserstoff oder lokale Stoffströme. Klare Regeln für Planung, Stilllegung und Weiterbetrieb sind notwendig, um Kosten und Unsicherheiten zu reduzieren.
6. Leistungsfähige Stromverteilnetze als Rückgrat der Wärmewende
Mit der Elektrifizierung der Wärme steigt der Bedarf im Stromnetz erheblich. Verteilnetze müssen vorausschauend ausgebaut und durch Speicher, Flexibilitäten und Digitalisierung ergänzt werden. Die Netzentgeltregulierung soll Investitionen in Netzausbau und Flexibilitäten ermöglichen, während Wärme- und Stromplanung enger verzahnt werden.
7. Resilienz durch erneuerbare, gekoppelte Systeme stärken
Erneuerbare Erzeugung, Speicher, KWK-Anlagen und inselbetriebsfähige Quartierslösungen erhöhen die Versorgungssicherheit und senken Abhängigkeiten. Neben dem Heizen wird in der Klimakrise auch Kühlung zentral – nachhaltige Kühl- und Wärmenetze sowie innovative Ansätze wie thermoaktive Infrastrukturen müssen frühzeitig integriert werden.
Sieben Schlüssel für einen praktischen gelingenden Wärmekonsens Roundtable Wärmewende 2026

