Bauen im Bestand und zirkuläres Bauen 

Passt das zusammen?  

Mitte Juni ging es bei ABE (Aachen Building Experts e. V.) (ABE) in einem Workshop um die Frage „Bauen im Bestand und zirkuläres Bauen: Passt das zusammen?“. Sehr schnell wurde deutlich: Ja, es passt. Und mehr als das: Bauen im Bestand und zirkuläres Bauen müssen zusammen gedacht werden. 

Kreise statt Krise – zirkuläres Bauen in der Praxis, Christina Freese, Concular,  
Quelle: ABE/Manuela Wetzel 

Christina Freese, Circular Consultant bei Concular, holte die Teilnehmenden mit einem Auftaktvortrag Kreise statt Krise – zirkuläres Bauen in der Praxis ins Thema. Sie zeigte konkret, wie sich Bestandsgebäude als Rohstoffspeicher nutzen lassen. Bauteile wie Fenster, Türen, Trennwände oder sogar Stahlträger werden erfasst und entweder bei der Sanierung des Gebäudes direkt wiederverwendet, oder sie werden über eine digitale Plattform oder Urban Mining Hubs für andere Projekte verfügbar gemacht. Das zeigte nachdrücklich, wie sich durch zirkuläres Bauen – auch und gerade im Bestand – die Lebenszyklen von Materialien verlängern und Rohstoffverbräuche, Abfallmengen sowie CO2-Emissionen reduzieren lassen. 

Zur weiteren Konkretisierung stellte Ursula Feld, Teamleiterin Stabsstelle „Nachhaltiges Bauen“, Gebäudemanagement der Stadt Aachen, das Förderprojekt Kreislauf-WIRK-Statt Aachen vor. Gefördert durch das Land NRW und die EU will das Projekt innovative Wege für eine kommunale Kreislaufwirtschaft im Bau entwickeln. Dazu erproben die Stadt Aachen und Partner (Aachener Stadtbetriebe, Concular GmbH, CSCP, Stadt Aachen Gebäudemanagement) unter realen Bedingungen, wie ausgediente Bauteile aus dem Bestand systematisch wiederverwendet werden können – von der „Bauteilernte“ über die Lagerung bis zur Integration in neue Bauprojekte. 

In der Diskussion wurden zentrale Aspekte für die Praxis beleuchtet: 

  • Bestand als Ressource: Materialien und Bauteile sind eine Wertquelle. Ihr Erhalt und die Wiederverwendung zahlt sich aus. 
  • Akzeptanz durch Vorbilder: Best-Practice-Beispiele fördern die Akzeptanz zirkulärer Ansätze. 
  • Neue Wirtschaftlichkeitsmodelle: Politische und rechtliche Weichenstellungen – etwa durch CO₂-Bepreisung, neue Standards oder Förderinstrumente – sind nötig, um Anreize für Kreislauflösungen zu schaffen. 
  • Kooperation und Prozesse: Kreislaufwirtschaft funktioniert nur im Zusammenspiel. Neue Prozesse müssen von der Planung bis zur Ausführung integriert gedacht werden. 

Die zentrale Erkenntnis der Veranstaltung: Zirkularität ist primär eine Frage der Haltung. Es braucht Wertschätzung für den Bestand, die grundsätzliche Bereitschaft und die praktische Möglichkeit zur Wiederverwendung von Bauteilen sowie innovative Ansätze in Planung, Bau und Betrieb. 

 Das ist die Haltung von ABE: Nachhaltig bauen. Dann führt kein Weg an Bestand und Kreislauf vorbei. 


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