Strategien zur Reduzierung von Embodied Carbon und Scope3Emissionen 

Warum frühe Entscheidungen den Unterschied machen 

Im Streben nach klimaneutralen Gebäuden und Infrastrukturprojekten hat die Branche lange den Fokus auf den Betrieb gelegt – etwa auf Emissionen aus Heizung, Kühlung und Beleuchtung. Doch inzwischen rückt eine oft unterschätzte Quelle in den Vordergrund: Embodied Carbon. Diese Emissionen entstehen bei der Gewinnung, Herstellung, dem Transport und der Installation von Baumaterialien und können bis zu 50 % der gesamten Lebenszyklus-Emissionen eines Projekts ausmachen. Da sie bereits vor der Inbetriebnahme festgelegt werden, sind spätere Reduktionen nur begrenzt möglich. 

Embodied Carbon fällt unter Scope3Emissionen, die für viele Unternehmen 70 bis 90 % der gesamten Emissionen ausmachen. Sie sind komplex, da sie indirekte Emissionen entlang der Lieferkette betreffen und in Kategorien wie Purchased Goods and Services und Capital Goods eingeordnet werden. Fragmentierte Lieferketten und fehlende Daten erschweren die Steuerung. Zwar belohnt LEED Transparenz und Lebenszyklusanalysen, doch die größten Hebel liegen in der frühen Planungsphase. 

Wichtige Strategien für die Praxis: 

  • Fokus auf Materialien mit hohem Einfluss: Stahl, Aluminium und Beton dominieren den CO₂-Fußabdruck. Wer hier ansetzt, erzielt große Wirkung. 
  • Reduce-Reuse-Recycle: Wiederverwendung von Materialien, Recycling und Design für Demontage senken Emissionen und Abfall. 
  • Nutzung von Produktdaten: Umweltproduktdeklarationen (EPDs) und Tools wie EC3 oder ICE erleichtern fundierte Entscheidungen. 
  • Kooperation mit Lieferanten: Transparenz fördern, Anreize setzen und Brancheninitiativen wie die Carbon Leadership Forum nutzen, um Standards und Datenbanken auszubauen. 

Trotz wachsender Datenbasis bleibt die Herausforderung groß: EPDs nehmen zwar jährlich um 10 bis 20 % zu, doch Datenqualität und Konsistenz sind problematisch. Komplexe Lieferketten, Kostenaufschläge für emissionsarme Materialien und fehlende Integration von CO₂-Metriken in Projektsteuerung führen oft zu Datenparalyse. Die Lösung: statt Perfektion anzustreben, pragmatisch handeln und die genannten Hebel konsequent nutzen. 

Ein Beispiel liefert das Ontario-Line-Projekt in Toronto: Durch den Einsatz von Low-Carbon-Materialien, digitaler Modellierung und enger Zusammenarbeit mit Lieferanten wird Scope3 aktiv adressiert. Das Projekt zeigt, wie große Infrastrukturvorhaben durch ganzheitliche Ansätze einen Beitrag zu globalen Netto-Null-Zielen leisten können. 

Die Zukunft erfordert einen Kulturwandel: Nachhaltigkeit muss zum Kernkriterium in Planung und Beschaffung werden – gleichrangig mit Kosten und Terminen. Wer früh handelt und Transparenz schafft, wird die Transformation zu einer CO₂-armen Bauwirtschaft anführen. 


Strategies for reducing embodied carbon in Scope 3 emissions 

Two experts at USGBC Gold member company Arcadis share insights on Scope 3 

USGBC (2025) 

https://www.usgbc.org/articles/strategies-reducing-embodied-carbon-scope-3-emissions

 

 

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