CO₂ im Fokus: 4. Nachhaltigkeitskonferenz der BAUINDUSTRIE 

Nachhaltig bauen, Emissionen senken – Impulse aus Praxis, Forschung und Politik 

Die 4. Nachhaltigkeitskonferenz der BAUINDUSTRIE Ende November 2025 in Berlin rückte das Thema CO₂-Reduktion in den Mittelpunkt der branchenweiten Debatte. Unter dem Leitmotiv CO₂ im Fokus – Nachhaltig bauen und Emissionen senken kamen Bauwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Finanzwesen zusammen, um Wege in eine klimafreundliche Zukunft des Bauens zu diskutieren. 

In seiner Eröffnungsrede machte Prof. Matthias Jacob, Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (oder kurz BAUINDUSTRIE), deutlich, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit politisch wie wirtschaftlich unter Druck geraten sind – ein gefährlicher Irrweg angesichts steigender Klimafolgekosten. Er betonte, dass die BAUINDUSTRIE mit innovativen und emissionsarmen Lösungen bereitstehe, politische Unsicherheiten, gekürzte Förderprogramme und komplexe Regularien jedoch den Fortschritt hemmten. Die Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie müsse pragmatisch, technologieoffen und anreizorientiert erfolgen. Sein zentrales Signal: Keine Transformation sei keine Option. 

Den inhaltlichen Auftakt der Konferenz setzte Prof. Mikala Holme Samsøe (ensømble Studio). Sie zeigte auf, wie architektonische Konzepte, Materialwahl und Planungskultur den CO₂-Fußabdruck im großen Maßstab beeinflussen. Es wurde deutlich, dass ressourcenschonendes Bauen längst kein Zukunftsthema mehr ist, sondern die Grundlage einer verantwortungsvollen Architektur der Gegenwart. 

Nicolas Kerz (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) stellte Weiterentwicklungen bei den nationalen Rechenregeln zur Ökobilanzierung vor. Diese sollen mehr Vergleichbarkeit schaffen, die Praxis vereinfachen und Planenden wie Investierenden Sicherheit geben. Die neuen Regeln sind ein wichtiger Baustein, um Lebenszyklusdenken verbindlich in Bauprojekte zu integrieren. 

Markus Taubert (Umweltbundesamt) erläuterte, wie ein steigender CO₂-Preis Innovationen beschleunigen und recyclingfähige, ressourcenschonende Bauweisen stärken kann. CO₂-Bepreisung wird als wesentliches Instrument hervorgehoben, um klimafreundliche Materialien wirtschaftlich attraktiver zu machen und langfristig Planungssicherheit zu schaffen. 

Lisa Graaf (Buildings Performance Institute Europe) präsentierte aktuelle Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Relevanz ganzheitlicher Lebenszyklusbetrachtungen. Sie zeigte, dass CO₂-Reduktion über den gesamten Lebenszyklus – von Herstellung über Betrieb bis Rückbau – nicht nur ökologisch, sondern zunehmend auch ökonomisch sinnvoll ist. 

Hans Peters (Institut Bauen und Umwelt) stellte vor, wie hochwertige ökobilanzielle Daten – sozusagen CO₂ als Währung – zu einem verbindlichen Bestandteil öffentlicher Ausschreibungen werden können. Ein präziser Datenrahmen sei entscheidend, damit Vergaben künftig stärker an Klimazielen ausgerichtet werden. 

In einer Reihe kurzer Praxisbeiträge wurde anschließend gezeigt, wie CO₂-Bewertungen konkret in Projekten umgesetzt werden und dass die Branche bereits vielfältige Lösungen bereithält: 

  • Zech Hochbau präsentierte Ansätze für nachhaltigkeitsorientierte Akquiseprozesse. 
  • STEWERING stellte die Schleuse Rees-Bienen als Beispiel für emissionsoptimiertes Infrastrukturbauen vor. 
  • Züblin zeigte am Beispiel der Hamburger U-Bahnlinie 5, wie Großprojekte CO₂-optimiert realisiert werden können. 
  • Renowate demonstrierte das Potenzial serieller Sanierung für schnelle, skalierbare CO₂-Einsparungen im Bestand. 

In der Podiumsdiskussion CO₂ als Entscheidungsgröße – aber wie? diskutierten Vertreter:innen von Munich Re, Autobahn GmbH, BAUINDUSTRIE, der Stadt Wuppertal und der Investitionsbank Berlin über notwendige Rahmenbedingungen. Themen waren u. a.: Wie wird CO₂ zum echten Vergabe- und Entscheidungsfaktor? Wie lassen sich Nachhaltigkeitsziele trotz knapper Budgets erreichen? Welche Rolle spielen Versicherer und Banken in der Transformation? Die Diskussion zeigte: Es braucht klare politische Vorgaben, mehr Mut zu CO₂-orientierten Vergaben und finanzielle Anreize für klimafreundliche Lösungen. 

Zum Abschluss betonten Prof. Matthias Jacob und Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller, dass der entscheidende Schritt nun darin liegt, bestehende Technologien und Konzepte tatsächlich anzuwenden. 

Die Konferenz machte deutlich: 

  • Die BAUINDUSTRIE verfügt über zahlreiche CO₂-wirksame Innovationen. 
  • Lebenszyklusdenken, CO₂-Bepreisung und klare Datenstandards sind zentrale Stellschrauben. 
  • Ohne verlässliche Rahmenbedingungen und entschlossene politische Umsetzung bleiben Fortschritte jedoch aus. 

Die 4. Nachhaltigkeitskonferenz der BAUINDUSTRIE hat gezeigt, wie vielfältig die Lösungen sind – und dass der Weg zur Klimaneutralität nur gelingt, wenn alle Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette konsequent zusammenarbeiten. 

 

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