Dauerhafte Speicherung von abgeschiedenem CO₂ ist entscheidend für Klimawirksamkeit

Wie lange muss das CO₂ bei Carbon Capture and Storage (CCS) oder auch Carbon Dioxide Removal (CDR) gespeichert werden? Mindestens 35 Jahre? 100 Jahre? Länger? Eine neue Studie der ETH Zürich stellt fest, dass für Netto-Null CO₂ alles unter 1.000 Jahren Speicherung nicht ausreicht, um die Erwärmung zu neutralisieren. Netto-Null CO2 würde bedeuten, dass ebenso viele Emissionen, die durch Menschen verursacht werden, durch Reduktionsmaßnahmen der Atmosphäre wieder entzogen werden.

Zuerst hängt dies alles davon ab, wie wir die Wiederfreisetzung von CO₂ annehmen: Auf einen Schlag nach x Jahren, kontinuierlich über x Jahre, oder als Ergebnis eines Lecks oder einer chemischen Zersetzung mit einer durchschnittlichen Wiederfreisetzungszeit von x Jahren. Die Studie konzentriert sich auf letzteren Fall, zeigt aber auch die anderen beiden Fälle in den ergänzenden Materialien.

Grundsätzlich bewirkt CDR eine Abkühlung, die – im Rahmen einer Netto-Null-Lösung – darauf abzielt, die durch eine CO₂-Emission (oder ein anderes Treibhausgas) verursachte Erwärmung zu neutralisieren. Da der größte Teil der Erwärmung durch CO₂-Emissionen über Tausende von Jahren bestehen bleibt, muss die durch CDR induzierte Abkühlung ebenso lange aufrechterhalten werden. Wenn das CO₂ nach seiner Entfernung nur vorübergehend gespeichert wird, geht auch die induzierte Abkühlung des CDR wieder verloren. Wenn dies im Rahmen einer Netto-Null-CO₂-Emissionsforderung geschieht, setzt im Laufe der Zeit eine Nettoerwärmung ein, ähnlich wie wenn es von vornherein kein CDR gegeben hätte.

Wenn wir also behaupten, dass die globalen CO₂-Emissionen auf „netto null“ reduziert wurden, weil eine CDR-Aktivität das entfernte CO₂ für weniger als 1000 Jahre speichern muss, verfehlen wir die angestrebte Klimaneutralität und erwärmen uns weiter.

Diese Ergebnisse bekräftigen das Prinzip like-for-like: Glaubwürdige Neutralisierungsansprüche unter Verwendung von CDR in einem Netto-Null-Rahmen erfordern einen Ausgleich zwischen Emissionen und der Beseitigung von Stoffen mit ähnlicher atmosphärischer Verweildauer und ähnlicher Herkunft (geologisch oder biogen).

Aber auch CDR mit geringerer Dauerhaftigkeit hat seinen Wert, wenn nicht Netto-Null CO₂ das Ziel ist oder die erneute Freisetzung von CO₂ wie eine neue CO₂-Emission behandelt wird und mit neuem CDR neutralisiert werden kann.

Der Erstautor der Studie Cyril Brunner empfiehlt daher, zwischen der Beseitigung von CO2 mit einer Speicherdauer von mindestens 1000 Jahren (= durable CDR, dCDR) und der vorübergehenden Beseitigung (= temporary CDR, tCDR) zu unterscheiden, ähnlich wie bei der Unterscheidung zwischen Einkommen und Kredit.


Brunner, C.; Hausfather, Z.; Knutti, R. (2024) Durability of carbon dioxide removal is critical for Paris climate goals. Commun Earth Environ 5, 645
https://doi.org/10.1038/s43247-024-01808-7

Jobs

ähnliche Beiträge

Nachhaltigkeit durch Reduktion

Das Prinzip 22·26 optimiert Raumkomfort ohne konventionelle Technik, setzt auf natürliche Materialien und reduziert Energiebedarf durch innovative Architek

Energiewende vor Ort: Kommunen wollen gestalten, stoßen aber an klare Grenzen

Die Energiewende in deutschen Kommunen zeigt Engagement, aber es gibt Herausforderungen bei Finanzierung, Netzen und Verfahren laut Bürgermeisterbefragung.

Down to Earth Talks 2026 – Practice and Projects

Kostenlose Online-Vorträge zu modernen Lehmbauprojekten im Sommersemester 2026. Veranstaltungsreihe der AG Lehre des Dachverbandes Lehm e. V.