Architects for Future

Wem gehört die Stadt? Oder: Die Bauwende ist weiblich

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Der Bausektor muss sich radikal verändern: weg von Profitmaximierung und linearer Wachstumslogik, hin zu sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit und kollektiver Fürsorge. Diesen Wandel fordert die Bauwende-Bewegung. Häufig werden diese aktivistischen Netzwerke – insbesondere im Bereich der Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung – von Frauen getragen, überwiegend ehrenamtlich und mit großem Engagement.

Umfragen bestätigen, dass etwa drei Viertel der aktiven Personen in diesen Bewegungen Frauen sind, während nur ein Viertel von Männern vertreten wird. Trotz dieses überwiegenden Anteils an Frauen in der Bewegung übernehmen jedoch immer noch häufig Männer die höheren, einflussreichen Positionen und dominieren die öffentlichen Rollen, wodurch das Bild des Aktivismus verzerrt wird.

Eine feministische Bauwende stellt die zentrale Frage: Wer baut für wen – und wessen Bedürfnisse zählen? Es braucht nicht nur technische Lösungen, sondern ein tiefgreifendes Umdenken in Planung und Gestaltung. Statt exklusiver Entscheidungen hinter verschlossenen Türen fordern wir echte Mitbestimmung: Stadtentwicklung darf nicht länger nur Sache von Expert:innen, Investor:innen und Verwaltungen sein. Partizipative Planung – von der Idee bis zur Umsetzung – muss zum Standard werden, vor allem für jene, die bislang übergangen wurden: Frauen, Kinder, Migrant:innen, einkommensarme Haushalte.

Feministische und gerechte Stadtplanung lebt von Vielfalt, Transparenz und gemeinschaftlicher Verantwortung. Es geht um mehr als schöne Fassaden – es geht um Alltagsräume, Raum für Care-Arbeit, Klima und Gemeinwohl. Es ist Zeit für eine inklusive Bauwende: gerecht, vielfältig, widerständig.

Der öffentliche Raum ist aktuell nicht für alle gleich zugänglich. Städte sind historisch durch patriarchale Perspektiven geprägt: von der Priorisierung des Autoverkehrs (statt sicherer Wege für Fußgänger:innen oder Kinderwagen) über die unsichtbare Last der Care-Arbeit bis hin zur Angst, nachts allein durch den Park zu gehen. Wer darf sich wie, wann und wo aufhalten? Wer kann sich welche Teilhabe leisten? Diese Frage ist politisch – und geschlechterspezifisch aufgeladen. Die Dekonstruktion patriarchaler Raumnutzung heißt: hinsehen, zuhören, Platz machen – und neue Räume schaffen, in denen andere Erfahrungen zum Maßstab werden. Denn wem der Raum gehört, dem gehört auch die Stadt.


Autor:innen

Architects for Future e. V., presse@architects4future.de
www.architects4future.de

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