SimBioZe: Nachhaltige Baustoffe aus Abwasser

Forschungsprojekt der Universität Stuttgart entwickelt Biozement und Düngemittel in einem integrierten Kreislauf


Bild Biomineralisierte Versuchskörber, Quelle: Smirnova, M., Nething, C., Stolz, A. et al. High strength bio-concrete for the production of building components. npj Mater. Sustain. 1, 4 (2023)
Bild Biomineralisierte Versuchskörber, Quelle: Smirnova, M., Nething, C., Stolz, A. et al. High strength bio-concrete for the production of building components. npj Mater. Sustain. 1, 4 (2023)

Mit dem Forschungsprojekt SimBioZe wird an der Universität Stuttgart an einer neuartigen Wertschöpfungskette gearbeitet, die Baustoffproduktion, Abwasserbehandlung und Ressourcenschutz miteinander verbindet. Ziel des Projekts ist es, aus menschlichem Urin gleichzeitig einen leistungsfähigen Biozement sowie verwertbare Düngemittel herzustellen und damit energie- und CO₂‑intensive konventionelle Herstellungsprozesse zu ersetzen.

Beteiligt sind das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK), das Institut für Mikrobiologie (IMB) sowie das Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA). Gemeinsam verfolgen die Projektpartner einen interdisziplinären Ansatz, bei dem mikrobiologische Prozesse gezielt eingesetzt werden, um mineralische Bindemittel zu erzeugen. Grundlage ist die sogenannte Biomineralisierung: Bakterien wandeln Harnstoff aus Urin in Calciumcarbonat um, das als zementartiger Baustoff genutzt werden kann.

Ein zentraler Vorteil des Ansatzes liegt in der Ressourceneffizienz. Da Urin bereits Wasser enthält, wird im Herstellungsprozess kein zusätzliches Prozesswasser benötigt. Gleichzeitig können Stickstoff, Phosphor und Kalium aus dem Abwasserstrom zurückgewonnen und für die Düngemittelproduktion genutzt werden. So entsteht ein geschlossener Kreislauf, der sowohl die Bauindustrie als auch die Landwirtschaft entlasten kann.

Das Projekt wurde vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden‑Württemberg gefördert und baut auf erfolgreichen Vorarbeiten auf. In aktuellen Untersuchungen wird geprüft, ob mit Urin gewonnener Biozement ähnliche Festigkeiten erreicht wie Material aus industriell hergestelltem Harnstoff. Perspektivisch soll SimBioZe damit einen Beitrag zur Transformation des Bauwesens hin zu mehr Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und nachhaltiger Materialnutzung leisten.

SimBioZe

High-Strength Biomineralized Construction Materials and Fertilizers out of Urine

https://www.simbioze.de/

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