WENIGER IST MEHR Teil 2/4 KAP Forum Newsletter

Suffizienz, wie Verena Brehm von CITYFÖRSTER sie versteht, setzt auf einen bewussteren, ressourcenschonenden Lebensstil, der nicht als Verzicht, sondern als Gewinn verstanden werden kann: Weniger private Wohnfläche, geteilte Räume und Mobilitätsangebote oder die Stärkung von Fahrrad- und Fußverkehr können Lebensqualität, Gesundheit und Gemeinschaft fördern. Während Effizienz und Konsistenz vor allem auf technische Lösungen abzielen, verlangt Suffizienz eine Veränderung sozialer Praktiken und damit auch gebaute Umgebungen, die solche Lebensweisen ermöglichen. Die Notwendigkeit zeigt sich in den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte: Trotz nur leicht gewachsener Bevölkerung stiegen Siedlungsflächen, Wohnraum pro Kopf und Pkw-Zahlen deutlich an. Quartiere bieten einen geeigneten Maßstab, um Flächen neu aufzuteilen, gemeinschaftliche Nutzungen zu stärken und Verkehrsräume zugunsten klima- und menschenfreundlicher Mobilität umzugestalten. Gemeinschaftliche Infrastruktur wie Mobilstationen, Werkstätten, Nachbarschaftsräume oder gemeinschaftliche Gärten kann den Verzicht auf private Flächen ausgleichen und suffiziente Lebensweisen unterstützen. Voraussetzung dafür sind politische Rückendeckung, interdisziplinäre Planung sowie die enge Beteiligung von Nutzerinnen und Nutzern und Stakeholder.
Das Beispiel der Rahmenplanung für den Hafen-Ost in Flensburg zeigt, wie Suffizienz strategisch in die Quartiersentwicklung integriert werden kann. Das autoarme, energieeffiziente und durchmischte Quartier basiert auf politisch beschlossenen Leitlinien und setzt auf Innenentwicklung, Erbpachtmodelle, gemeinschaftliche Trägerschaften, nachhaltige Mobilitätsangebote sowie ein starkes Netz aus öffentlichen und grün-blauen Freiräumen. Diese dienen als Orte für Aufenthalt, Klimaausgleich, Wassermanagement und Biodiversität und kompensieren geringere private Wohnflächen. Breite Beteiligungsverfahren begleiteten die Planung, die 2022 beschlossen wurde. Trotz späterer Unsicherheiten aufgrund der eingeschränkt aufgehobenen Betriebspflicht des Hafens bleibt das Projekt ein beispielhaftes Modell für suffizienzorientierte Stadtentwicklung.

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