Philipp Wiehle übernimmt Stiftungsprofessur für nachhaltiges Bauen mit regionalen Baustoffen an der Hochschule Biberach

Tragende Lehmbauweisen und Strohbau als reguläre Bauweisen


Quelle: HBC/Nico Schlegel
Quelle: HBC/Nico Schlegel

Die Hochschule Biberach stärkt ihr Profil im nachhaltigen Bauen und hat Prof. Dr.-Ing. Philipp Wiehle auf die von der Carl-Zeiss-Stiftung geförderte Stiftungsprofessur „Nachhaltige Nutzung regional gewinn- und erzeugbarer Werkstoffe im Bauwesen“ berufen. Die Professur ist an der Fakultät Bauingenieurwesen und Projektmanagement angesiedelt und am Institut für Holzbau verortet, das bereits seit Jahren zu biobasierten Baustoffen, insbesondere zu Lehmbauweisen, forscht und 2025 den ersten Earth Builder Summit initiieren wird. Die Förderung umfasst bis zu 1,8 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Im Mittelpunkt der Professur stehen regionale Baustoffe wie Lehm, Stroh und Holz, die im Bauwesen bislang unterschiedlich stark etabliert sind. Während der Holzbau über eine gesicherte normative Grundlage verfügt, gelten Lehm und Stroh als tragende Baustoffe noch vielfach als Nischenanwendung. Es fehlen belastbare experimentelle Daten, tragfähige Bemessungsmodelle und eine baurechtliche Einordnung jenseits von Einzelgenehmigungen. Genau hier setzt die Arbeit von Philipp Wiehle an. In seinen Forschungsvorhaben werden tragende Lehmbauweisen wie Lehmmauerwerk und Stampflehm weiterentwickelt und normativ eingeordnet, Verfahren zur Bio-Stabilisierung von Lehmbaustoffen untersucht sowie Konstruktions- und Bemessungsmodelle für den Strohballenbau erarbeitet. Ziel ist es, Lehm und Stroh schrittweise in den Kanon regulärer Bauweisen zu überführen und sie als echte Alternativen zu Stahlbeton und konventionellem Mauerwerk zu etablieren.

Der Bauingenieur bringt dafür eine besondere Kombination aus Praxis, Forschung und Lehre mit. Philipp Wiehle, Jahrgang 1982, ist ausgebildeter Zimmerer und studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin. Dort promovierte er 2024 zum Thema „Einfluss der Feuchtigkeit auf das Tragverhalten von Lehmmauerwerk“ und spezialisierte sich früh auf den tragenden Lehmbau. Ergänzt wird sein Profil durch internationale Forschungs- und Lehrerfahrungen sowie eine enge Anbindung an die baupraktische Anwendung biobasierter Materialien.

In der Lehre setzt Wiehle auf projektorientierte und interdisziplinäre Formate. In sogenannten Reallaboren arbeiten Studierende der Architektur und des Bauingenieurwesens gemeinsam an realen Holz-, Lehm- und Strohbauprojekten und verbinden dabei jahrhundertealtes Bauwissen mit aktuellen ingenieurwissenschaftlichen Methoden und digitalen Werkzeugen. Ziel ist es, zukünftige Planerinnen und Planer frühzeitig für ressourceneffizientes, klimabewusstes Bauen zu qualifizieren.

Mit der Berufung unterstreicht die Hochschule Biberach ihren Anspruch, die Transformation des Bauwesens aktiv mitzugestalten. Angesichts steigender Wohnraumbedarfe und ambitionierter Klimaziele sieht die Hochschule im Bauen mit regionalen, biobasierten Baustoffen einen zentralen Hebel, um CO₂-Emissionen, Abfallmengen und Rohstoffabhängigkeiten im Bausektor deutlich zu reduzieren. Die neue Stiftungsprofessur soll dafür die wissenschaftlichen Grundlagen schaffen und den Brückenschlag zwischen Forschung, Normung und Baupraxis leisten.

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