Interdisziplinäre Bewertung fassadenintegrierter Nisthilfen für Wildbienen


Testbauten mit fassadenintegrierten Nisthilfen
Testbauten mit fassadenintegrierten Nisthilfen

Der Bericht beleuchtet bauphysikalische Ergebnisse eines interdisziplinären Ansatzes zur Integration von Wildbienen-Nisthilfen in Gebäudefassaden zur Förderung urbaner Biodiversität. Bauphysikalische und ökologische Anforderungen sowie gesellschaftliche Einstellungen wurden untersucht – ergänzt durch Messungen an Testbauten, Felderhebungen und zwei Online-Umfragen. Getestet wurden Nisthilfen aus Hartholz, Röhrchen, Ton und Lehm-Sand-Gemisch in drei Fassadentypen (WDVS, vorgehängt hinterlüftet, Holzleichtbau) an zwei Standorten in Stuttgart-Vaihingen. Alle Systeme erfüllten die bauphysikalischen Kriterien (z. B. keine Tauwasserbildung, zulässige Oberflächentemperaturen). Holz und Röhrchen zeigten bessere thermische Eigenschaften und geringere Wärmeverluste als Ton und Lehm. Die vorgehängt hinterlüftete Fassade wurde seltener besiedelt. Die höchsten Nistbelegungen erfolgten in Hartholz und Röhrchen mit kleinen Durchmessern (3 mm bis 4 mm). Ton und Lehm wurden kaum angenommen. Beide Standorte boten geeignete Blühpflanzen im Umfeld. Die Online-Umfragen zeigten hohe Zustimmung zum Konzept, besonders für öffentliche Gebäude. Die Akzeptanz hängt u. a. von Tierart, Risikoempfinden und Wissen ab. Fassadenintegrierte Nisthilfen können zur städtischen Biodiversität beitragen, vor allem in Kombination mit Begrünung. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung bei Sanierungen, ersetzen jedoch keine natürlichen Lebensräume. Weitere Forschung und Standardisierung sind empfehlenswert.

Meier, L.; Leistner, P. (2026) Interdisziplinäre Bewertung fassadenintegrierter Nisthilfen für Wildbienen. Bauphysik 48, H. 2, S. 179–191. https://doi.org/10.1002/bapi.70034

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