Teil 4/5 KAP Forum Newsletter

Suffizienz in der Architektur bedeutet aus Sicht von Gerhard Lüdtke, der einen Handwerksbetrieb für nachhaltige Altbausanierung gründete und leitet, vor allem, die übermäßige Komplexität moderner Bauweisen zu reduzieren. In den vergangenen Jahrzehnten wurden Gebäude zunehmend als technische Systeme mit vielen Schichten, Folien und chemischen Komponenten konstruiert, was häufig zu Wartungsproblemen und bauphysikalischen Risiken führte. Demgegenüber steht der Ansatz der Einstofflichkeit: einfache, natürliche Materialien wie Lehm, Holz oder Kalk übernehmen mehrere Funktionen zugleich. Ein Lehmputz etwa reguliert Feuchtigkeit, filtert Schadstoffe und benötigt weder zusätzliche Schutzschichten noch aufwendige Entsorgung. Weniger Schichten erhöhen die Fehlertoleranz und damit die Sicherheit, reduzieren Schadstoffe, verbessern das Raumklima und machen Gebäude unabhängiger von technischer Wartung. Suffizienz heißt somit, sich bewusst auf das Wesentliche zu konzentrieren und Materialien ehrlich einzusetzen. Die Herausforderung liegt darin, dieses Wissen im Handwerk wieder zu stärken, damit einfache, robuste Lösungen auch praktisch umgesetzt werden.
WENIGER IST MEHR
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