Einfach Um-Bauen: Neue Wege für die energetische Sanierung im Wohnungsbestand

Wie kombinierte Maßnahmen aus Heizungstausch und gezielter Sanierung Klimaschutz bezahlbar machen

Titel: Einfach Um-Bauen: Neue Wege für die energetische Sanierung im Wohnungsbestand

Untertitel: Wie kombinierte Maßnahmen aus Heizungstausch und gezielter Sanierung Klimaschutz bezahlbar machen



Der deutsche Gebäudesektor steht vor einer grundlegenden Transformation: Bis 2045 soll der gesamte Wohnungsbestand klimaneutral sein. Aktuell verursacht der Gebäudesektor rund 30 Prozent der CO₂-Emissionen, während die Sanierungsquote deutlich unter dem erforderlichen Niveau liegt. Gleichzeitig zeigen viele energetische Maßnahmen in der Praxis nicht die erwartete Wirkung, da berechnete Einsparungen oft von tatsächlichen Verbräuchen abweichen. Dieses sogenannte Performance Gap verdeutlicht, dass bisherige Bewertungsmethoden die Realität nur unzureichend abbilden.

Hier setzt das Forschungsprojekt „Einfach Um-Bauen“ an. Es untersucht systematisch, wie sich typische Mehrfamilienhäuser der Nachkriegszeit effizient und wirtschaftlich sanieren lassen. Im Fokus stehen nicht nur klassische Dämmmaßnahmen, sondern eine ganzheitliche Betrachtung über den Lebenszyklus hinweg. Dabei werden neben den Betriebsemissionen auch sogenannte graue Emissionen berücksichtigt, also jene Treibhausgase, die bei Herstellung, Transport und Entsorgung von Baustoffen entstehen.

Grundlage der Studie sind vier repräsentative Wohngebäude aus den Baujahren 1950 bis 1984. Für diese wurden über tausend Sanierungsvarianten entwickelt und mithilfe thermisch-dynamischer Simulationen analysiert. Bewertet wurden sowohl Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle als auch deren Kombination mit unterschiedlichen Heizsystemen wie Gas, Fernwärme, Wärmepumpe oder Pelletheizung. Entscheidendes Kriterium war das Zusammenspiel von Investitionskosten, CO₂-Einsparung und tatsächlicher Energieeffizienz über einen Zeitraum von 25 Jahren.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der größte Hebel für die CO₂-Reduktion im Wechsel des Wärmeerzeugers liegt. Bereits der Umstieg von Gas auf eine Wärmepumpe kann die Emissionen etwa halbieren. Dämmmaßnahmen bleiben weiterhin relevant, entfalten ihre Wirkung jedoch vor allem bei älteren und kompakteren Gebäuden. Besonders wichtig ist dabei die gezielte Kombination einzelner Maßnahmen statt umfassender Komplettsanierungen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass aufwendige Sanierungen nach Effizienzhausstandard EH55 häufig nicht wirtschaftlich sind. Sie verursachen hohe Kosten, ohne im Verhältnis entsprechende zusätzliche Einsparungen zu liefern. Deutlich effizienter sind maßgeschneiderte Sanierungslösungen, die Heizungsmodernisierung mit gezielten Eingriffen an der Gebäudehülle verbinden. So lassen sich vergleichbare CO₂-Minderungen bei geringeren Investitionen erreichen.

Für die Praxis bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Statt standardisierter Komplettlösungen rücken flexible und skalierbare Maßnahmen in den Vordergrund. Wohnungsunternehmen können Sanierungen schrittweise umsetzen und mit bestehenden Instandhaltungszyklen verknüpfen. Auch mit begrenzten Daten lassen sich belastbare Strategien entwickeln, wenn diese systematisch ausgewertet werden.

Darüber hinaus liefert das Projekt konkrete Empfehlungen für die Wahl geeigneter Heizsysteme. In urbanen Räumen bietet sich insbesondere der Anschluss an Fernwärmenetze an, während in anderen Fällen Wärmepumpen oder hybride Lösungen sinnvoll sind. Bestehende dezentrale Heizsysteme können dabei vergleichsweise einfach durch zentrale Anlagen ersetzt werden. Ergänzend empfehlen die Forschenden einfache Lüftungskonzepte, die ohne aufwendige Technik auskommen und dennoch Feuchteschäden verhindern.

Insgesamt zeigt „Einfach Um-Bauen“, dass klimawirksame Sanierungen im Bestand nicht zwangsläufig teuer oder komplex sein müssen. Entscheidend ist eine systemische Herangehensweise, die technische, wirtschaftliche und nutzungsbedingte Faktoren zusammenführt. Die entwickelten Methoden und Ergebnisse sind auf viele Wohngebäude in Deutschland übertragbar und bieten eine praxisnahe Grundlage für die Transformation des Gebäudebestands hin zur Klimaneutralität.

Einfach Um-Bauen

Konzepte für das robuste Sanieren von Wohngebäuden – CO₂-Reduktion ohne Steigerung der Warmmiete
ForschungKOMPAKT BBSR 2026
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/forschung-kompakt/2026/fk-04-2026-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Forschungsbericht der TU München, Hochschule Bochum 2025
https://mediatum.ub.tum.de/download/1843381/1843381.pdf

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