Die Integration von Gefahren- und Risikoinformationen in die Stadtplanung

Das Handbuch der World Bank beschreibt umfassend, wie Städte angesichts von Klimawandel, schnellen Urbanisierungsprozessen und sozialer Ungleichheit widerstandsfähiger und zugleich lebenswerter gestaltet werden können. Im Mittelpunkt steht die Notwendigkeit, Gefahren- und Risikodaten systematisch in die Stadtplanung einzubinden, um menschliche Sicherheit, nachhaltige Entwicklung und ökonomische Stabilität zu gewährleisten. Städte wachsen weltweit stark, was Chancen wie wirtschaftliche Dynamik und Innovation mitbringt, aber zugleich die Exposition gegenüber Naturgefahren erhöht. Risiken entstehen dabei aus dem Zusammenspiel von Gefährdungen, der räumlichen Verteilung und Dichte von Bevölkerung und Infrastruktur sowie sozialen und ökonomischen Verwundbarkeiten. Das Handbuch zeigt, dass Urbanisierung sowohl Risiken verstärken als auch Resilienz fördern kann – abhängig von Planung, Governance und der Qualität der lokalen Entscheidungsprozesse. Es fordert daher einen Paradigmenwechsel hin zu einer vorausschauenden, risikobewussten und ganzheitlichen Stadtentwicklung.
Im ersten Teil werden zentrale Konzepte der risikoinformierten Planung vorgestellt. Dazu gehören Grundprinzipien wie präventives Handeln, die Stärkung ökologischer Systeme, die Förderung sozialer Inklusion und die gemeinsame Verantwortung aller Akteure. Governance spielt eine entscheidende Rolle: Klare rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen sowie die Einbindung von Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung. Zudem wird erläutert, wie unterschiedliche Arten von Naturgefahren – hydrometeorologische, geologische und klimatologische – definiert, bewertet und kartiert werden. Diese Gefahren interagieren häufig miteinander und können Kaskaden- und Systemrisiken auslösen, weshalb urbanes Risikomanagement multidimensional sein muss.
Im zweiten Teil legt das Handbuch ein dreiphasiges Vorgehen dar: Zunächst erfolgt eine umfassende Bestandsaufnahme der Risiken und urbanen Entwicklungstrends. Darauf aufbauend werden Gefahren- und Risikokarten erstellt, Szenarien analysiert und eine langfristige Stadtvision entwickelt. Anschließend werden konkrete planerische Entscheidungen abgeleitet. Hierfür dient das RCP-Modell, das Flächen in drei Kategorien einteilt: Verbotszonen, in denen Gefahren zu hoch sind; Zonen mit Auflagen, in denen Maßnahmen zur Risikominderung notwendig sind; sowie Bereiche, die aktiv für resilientere Entwicklung gefördert werden. Abschließend werden Instrumente beschrieben, die für die Umsetzung erforderlich sind, darunter Baurecht, nachhaltige Bebauungspläne, Landwertabschöpfung, widerstandsfähige Bauvorschriften, Finanzierungsmodelle sowie Formate der Bürgerbeteiligung und institutionellen Weiterbildung. Die Bedeutung von Monitoring und stetiger Anpassung wird hervorgehoben, da Risiken und urbane Systeme dynamisch sind.
Der dritte Teil widmet sich detailliert den verschiedenen Gefahrenklassen. Für Überschwemmungen werden Unterschiede zwischen Fluss-, Küsten-, Starkregen- und Sturzflutereignissen erläutert und planerische Maßnahmen wie Pufferzonen, naturnahe Retentionsräume, Schwammstadtkonzepte oder Infrastrukturverstärkungen beschrieben. Bei geologischen Risiken wie Erdrutschen, Erdbeben oder vulkanischen Prozessen werden Gefahrenzonen kartiert und Maßnahmen wie Hangstabilisierung, Bauwerksverstärkung und mögliche Umsiedlungen dargestellt. Für klimatologische Gefahren wie Hitze, Dürren und Waldbrände werden urbane Abkühlungsstrategien, Wassermanagement und nachhaltige Grünraumgestaltung erläutert. Zahlreiche Fallbeispiele – etwa aus Beira, Kigali, Bujumbura, Cali, Hongkong oder Guangzhou – zeigen die praktische Anwendung der beschriebenen Instrumente und verdeutlichen, dass Investitionen in Resilienz wirtschaftlich hoch rentabel sind. Insgesamt vermittelt das Dokument ein vollständiges Konzept, wie risikoinformierte Planung Städte in robuster, ökologischer und sozial gerechter Weise transformieren kann.
Handbook for Livable and Resilient Cities
Integrating Hazard and Risk Information into Urban Planning
World Bank 2025, License: CC BY-NC 3.0 IGO
https://openknowledge.worldbank.org/bitstreams/46034d28-47e3-481c-89a3-8dcc61693fe3/download

