Weniger schlecht ist nicht gut

Michael Braungart erhält für Cradle-to-Cradle Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises

Prof. Dr. Michael Braungart, Begründer des Cradle-to-Cradle-Designkonzepts
Quelle: DNP

Am 1. Dezember 2022 wurde Prof. Dr. Michael Braungart als Begründer des Cradle-to-Cradle-Designkonzepts, das als Ansatz für eine durchgängige Kreislaufwirtschaft gilt, mit dem Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises ausgezeichnet.
In seinem Plenumsbeitrag Es gibt kein richtiges Leben im falschen erklärte der Ehrenpreisträger beim 15. DNT, warum es für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft nicht darum geht, Bestehendes zu verbessern, sondern darum, neu zu denken und unsere Zukunft positiv zu definieren.

Ehrenpreisträgerbegründung

Der Verfahrenstechniker und Chemiker Prof. Dr. Michael Braungart promoviert 1985 im Fach Chemie an der Universität Hannover; seit 1994 ist er Professor für Öko-Design an der Leuphana Universität Lüneburg. Von 2011 bis 2017 hat er an der Erasmus-Universität Rotterdam den eigens gegründeten Lehrstuhl für den Studiengang Cradle-to-Cradle inne, wo er bis heute als Gastprofessor tätig ist.

Bereits seit Beginn der 1980er-Jahre setzt sich Braungart u. a. bei Greenpeace für eine Welt ohne Abfall ein. 1987 gründet er die Environmental Protection Encouragement Agency (BRAUNGART EPEA) in Hamburg, die inzwischen unter seiner Leitung internationaler Innovationspartner für umweltverträgliche Produkte, Prozesse, Gebäude und Stadtquartiere ist. Außerdem ist er Mitbegründer und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts.

Im Fokus seiner Arbeit und Forschungsaktivitäten steht das Ziel, Dinge so zu gestalten, dass alles Nährstoff werden kann und keine giftigen Substanzen in der Natur freigesetzt werden. In den 1990er-Jahren entwickelt Braungart gemeinsam mit dem US-amerikanischen Wissenschaftler William McDonough das Cradle-to-Cradle-(C2C-)Designprinzip (engl.: von Wiege zu Wiege, vom Ursprung zum Ursprung). 2002 erscheint das gemeinsame Buch mit dem Titel Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things.

Seit 2010 wird der Cradle-to-Cradle-Produktstandard offiziell vom Non-Profit-Institut Cradle To Cradle Products Innovation Institute vergeben.

Das Konzept gilt als Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft und beschreibt die sichere und potenziell unendliche Zirkulation von Materialien und Nährstoffen in Kreisläufen. In der Praxis bedeutet dies, dass sich Produkte in einer Technosphäre entweder in einzelne Komponenten zersetzen und zu neuen Produkten recyceln lassen oder in einer Biosphäre durch biologische Zersetzung der Natur zugeführt werden. Somit wendet sich das Cradle-to-Cradle-Verfahren nicht nur vom gängigen Take-Make-Waste-Modell ab, sondern geht sogar einen Schritt über das Zero-Waste-Prinzip hinaus: Produkte und Produktionsprozesse sollen nicht nur weniger schädlich für Mensch und Natur sein, sondern eine positive Wirkung entfalten.Michael Braungart gilt heute als konsequentester und streitbarster Verfechter einer umfassenden Circular Economy. Cradle-to-Cradle geht als Prinzip und als Label um die Welt. Für seine bahnbrechenden wissenschaftlichen Beiträge wurde er mehrfach ausgezeichnet (u. a. mit dem World Technology Award for Design, dem Presidential Green Chemistry Challenge Award und dem Hero of the Planet Award des TIME Magazine).

Jobs

ähnliche Beiträge

Praxisleitfaden für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern

Leitfaden liefert konkrete Handlungsempfehlungen und praktische Beispiele für Planung, Installation und Betrieb von Wärmepumpen.

Das kulturelle Erbe im Klimawandel

Positionspapier bringt globale Initiative für baukulturelles Erbe im Klimawandel auf den Weg.

Mehr Politik, weniger Moralisierung

Rat für Nachhaltige Entwicklung will ganzheitliche Transformation und gesellschaftlichen Zusammenhalt.