Lamia Messari-Becker wird Vordenkerin 2024

Vordenker Forum zeichnet die Expertin für nachhaltiges Bauen und Klimaschutz im Gebäudesektor aus

Prof. Dr. Lamia Messari-Becker wird für ihr Engagement für Nachhaltigkeit und sozialverträglichen Klimaschutz im Bauwesen als Vordenkerin 2024 ausgezeichnet. Das Vordenker Forum ehrt seit 15 Jahren herausragende Persönlich­keiten, die maßgeblich an der Zukunft unserer Gesellschaft mitwirken, mit dem Vordenker Preis. Ziel der Preisverleihung durch eine unabhängige Jury ist es, dem gesellschaftlich wichtigen Thema Mutiges Vordenken Aufmerksamkeit und Gewicht zu verleihen. 

Die in Marokko geborene Vordenkerin 2024 ist Bauingenieurin und zeichnet sich durch einen Rundumblick auf die ökologischen, ökonomischen, sozialen und soziokulturellen Dimensionen des Bauwesens aus. Schon vor Jahren hat sie vor einer Energiewende gewarnt, die sich primär auf Strom konzentriert und die anderen Energieformen wie Wärme und Treibstoffe vernachlässigt. Immer wieder hat sie mit Vehemenz darauf aufmerksam gemacht, dass insbesondere die Fokussierung auf die Wärmeversorgung mit überwiegend elektrischer Energie ein Fehler ist. Die Debatte um das Gebäudeenergiegesetz, das 2024 in Kraft tritt, hat sie Jahre zuvor vorausgesehen. 

Lamia Messari-Becker argumentiert, dass die Fokussierung auf Strom in allen Sektoren – Gebäude, Industrie und Verkehr – einen schweren Fehler darstelle. Derzeit liege der Anteil der erneuerbaren Energien beim Strom zwar bei 50 %, während er bei Wärme nur 16 % und beim Verkehr nur 7 % ausmache. Allerdings macht Strom nur 20 % des gesamten Energiebedarfs aus. Künftige Bedarfserhöhungen sind dabei noch gar nicht mitgerechnet. Auch wenn man den technischen Fortschritt und die damit verbundenen Effizienztechnologien einkalkuliert, würde es nicht gelingen, alle Sektoren ausschließlich auf Strom umzustellen.Das gälte umso mehr, wenn dieser Strom überwiegend aus Wind- und Solarenergie gewonnen wird, was ohne parallel wachsende Speicherkapazitäten und -infrastrukturen keine gesicherte Stromversorgung gewährleiste und damit die Versorgungssicherheit aller gefährdet würde. Für Lamia Messari-Becker ist es daher ein Gebot der ökologischen, ökonomischen und sozialen Verantwortung, die Energiewende zu diversifizieren, möglichst viele klimafreundliche Energiequellen zu nutzen und insbesondere auf eine grundlastfähige erneuerbare Wärmeversorgung, etwa durch Geothermie, zu setzen.

Heiko Hauser, Geschäftsführer der Finanzberatungsgruppe Plansecur, die das Vordenker Forum initiiert hat, spannt den Bogen zur Weltpolitik: „Unsere Vordenkerin 2024 hat vor allen anderen einen Weg aufgezeigt, wie die von den Vereinten Nationen formulierten Nachhaltigkeitsziele als Leitlinie dem Gebäudesektor dienen können. Diesen Wertekompass für Nachhaltigkeit im Bauwesen hat sie mit Leidenschaft und Weitsicht in vielen Ämtern und Funktionen beharrlich weiterentwickelt. Gegenwärtig prägt Lamia Messari-Becker wie kaum jemand anderes die fachpolitische und gesellschaftliche Debatte rund um Ressourceneffizienz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf dem Gebäude­sektor.“

Der Juryvorsitzende des Vordenker Forums, Prof. Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, sagt: „Lamia Messari-Beckers Ansätze für eine ressourcenbewusste Kreislaufwirtschaft im Bau, sozialverträglichen Klimaschutz insbesondere im Gebäudebestand, ökologisches und bezahlbares Wohnen, innovative Quartiersansätze, klimagerechte und an Klimawandelfolgen angepasste gebaute Umwelt-, Raum- und Stadtplanung, zukunftsfähige Energieversorgung und Mobilität zeichnen sich durch einen ganzheitlichen und differenzierten Zugang aus. Dabei berücksichtigt sie sowohl technische als auch soziale Innovationen und setzt sich für den nötigen Wandel innerhalb unserer demokratischen Strukturen ein.“

Frühzeitiges Eintreten für eine diversifizierte Energiewende

Lamia Messari-Becker widmet sich der Ressourcenfrage umfassend. So forderte sie schon lange einen grundsätzlich anderen Umgang mit allen Ressourcen, darunter Fläche, Rohstoffe und Energie. Sie adressiert seit vielen Jahren Sanierungsfragen im Bestand, etwa einen CO2-Emissionshandel auf dem Gebäudesektor, der lebenszyklusbasiert die ökologische und ökonomische Effizienz von Sanierungsmaßnahmen in den Blick nimmt. Zudem befasste sie sich beizeiten mit kommunalem Klimaschutz, Quartiersansätzen, Ressourcenausweisen von Gebäuden und kreislauffähigem Bauen und verlangte hierzu entsprechende politische Rahmenbedingungen. Sie tritt für eine sozialökologische Stadt- und Raumplanung, für eine Partnerschaft zwischen städtischen und ländlichen Räumen ein und fordert neben Klimaschutz- auch Klimaanpassungsmaßnahmen.

Lebenslauf der Vordenkerin 2024

Lamia Messari-Becker ist Diplom-Bauingenieurin und Professorin für Gebäudetechnologie und Bauphysik an der Universität Siegen. Sie wurde 1973 in Marokko geboren und kam 1992 zum Studieren nach Deutschland. 2001 schloss sie das Studium des Bauingenieur­wesens an der TU Darmstadt mit dem Diplom ab. 2006 promovierte sie mit dem Thema Konzept zur nachhaltigen CO2-Emissionsminderung bei Wohngebäuden im Bestand unter Einbeziehung von CO2-Zertifikaten. Von 2009 bis 2013 war sie Leiterin in einem Planungsbüro und realisierte dort Projekte in Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich, Marokko, der Schweiz und der Türkei. Lamia Messari-Becker war und ist Mitglied in zahlreichen Gremien, u. a. von 2016 bis 2020 im Sachverständigen­rat für Umweltfragen (Kabinett Merkel III) und von 2017 bis 2022 im Expertenkreis Zukunft Bau des Bundes (Kabinett Merkel III, Merkel IV, Scholz). Sie ist Sachverständige des Bundestags und seit 2020 Mitglied im Club of Rome International. Darüber hinaus ist sie seit 2022 Mitglied im Zukunftsrat Nachhaltige Entwicklung Rheinland-Pfalz und seit 2023 im Beirat des Progressiven Zentrums sowie der Bundesstiftungen Baukultur und Bauakademie. Lamia Messari-Becker engagiert sich für Diversität, Gleichberechtigung und Integration. Die zweifache Mutter ist Alumna des International Leadership Visitor Program der US-Regierung und Unterstützerin der Initiative Gesichter der Demokratie.

Frühere Preisträger

Vor Prof. Dr. Lamia Messari-Becker wurden der KI- und Robotik-Forscher Prof. Sebastian Thrun (2022), der Politologe Prof. Basam Tibi (2019), der Rat der Wirtschaftsweisen (2018), Dr. h.c. Frank-Jürgen Weise (2016), Dr. Nicola Leibinger-Kammüller (2015), Jean-Claude Juncker (2014), Prof. Paul Kirchhof (2011), Bischof Dr. Wolfgang Huber (2009) und Prof. Nobert Walter (2008) als Vordenker ausgezeichnet. 

Zusammensetzung der Jury

Zur Jury gehören der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Gabriel Felbermayr als Vorsitzender, Prof. Dr. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wirtschaftsweisen), der KI-Pionier Prof. Dr. Sebastian Thrun (Vordenker 2022), der Nachrichten-Journalist Dr. Claus Kleber, Prof. Michael Binder, Ph.D., Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Makroökonomie und Empirische Wirtschaftsforschung an der Goethe-Universität, Ex-Bundesministerin Julia Klöckner, Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, Wolfgang Baake, ehemaliger Beauftragter für die Deutsche Evangelische Allianz am Sitz der Bundesregierung, Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, der Plansecur-Geschäftsführer Heiko Hauser und sein Vorgänger Johannes Sczepan sowie die Finanzberater Gunther Otto und Johannes Schäffer

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