Bauen mit Bambus

MAMANWA Community Center, Philippines

Im Frühjahr 2024 wurde auf den Philippinen mit knapp 60 Studierenden der Studiengänge Architektur, Innenarchitektur und Bauingenieurwesen der Hochschule Kaiserslautern, dem gemeinnützigen Verein für humanitäre Hilfe Fruit-Tree e. V. aus Darmstadt sowie einer kleinen indigenen Bevölkerung im Dorf Mamanwa ein Gemeindezentrum aus Bambus errichtet. Initiiert haben das Vorhaben Prof. Brigitte Al Bosta (Studiengang Architektur) und Prof. Carina Neff (Studiengang Bauingenieurwesen) vom Fachbereich Bauen und Gestalten der Hochschule Kaiserslautern. Insgesamt hat die Vorbereitungsphase in Theorie und Praxis an der Hochschule Kaiserslautern fast zwei Jahre gedauert.

Surigao del Norte ist die Heimat der ethnischen Gruppe der Mamanwa, die von den Ureinwohnern der Philippinen abstammen. Sie sind die älteste noch existierende Volksgruppe der Philippinen. In den Bergen der Insel Mindanaos, in der Provinz Surigao del Norte, standen vor ca. 20 Jahren viele Siedlungen des indigenen Stamms der Mamanwa dem Bergbau im Weg und wurden vertrieben. Im September 2000 wurde auch eine kleine indigene Dorfgemeinschaft umgesiedelt. Das neu gegründete Dorf Mamanwa Village liegt nun ca. 15 km südlich der Stadt Surigao. Insgesamt leben 94 Familien, ca. 380 Erwachsene und ca. 100 Kinder, in einfachen Behausungen mit wenig Besitz.

Der Taifun Rai hat Ende 2021 auf den Philippinen schwere Schäden verursacht. Auch im Mamanwa Village wurden durch den Taifun viele Häuser zerstört oder beschädigt. Einige Notunterkünfte wurden nach der Verwüstung langsam wieder aufgebaut bzw. notdürftig repariert.

Das neue Gemeindezentrum soll als multifunktionaler Raum genutzt werden und sich als sozialer Mittelpunkt des Dorfs Mamanwa entwickeln. Der indigenen Bevölkerung dient es zukünftig als Ort zum Austausch, zum Feiern von Hochzeiten, der Weiterbildung und den Kindern als Aufenthaltsort nach der Schule. Im Gemeindezentrum soll ein Bereich für den Besuch von Ärzt:innen und weitere Vorsorgemöglichkeiten integriert werden. Es kann auch als Marktplatz zum Verkauf der regionalen Produkte oder zum Flechten von traditionellen Körben zur Sicherstellung des Lebensunterhalts genutzt werden.

In Anlehnung an die traditionelle Bauweise auf den Philippinen wurde eine Konstruktion mit lokal verfügbarem Bambus ausgeführt, der durch spezielle Behandlungen gegen Witterungseinflüsse, Pilze, Termiten und Käfer ca. 20 Jahre halten wird. Bambus ist ein nachhaltiger, kostengünstiger und schnell wachsender Rohstoff, der sich aufgrund seiner hohen Festigkeiten und seines geringen Eigengewichts hervorragend für den Bau von Bambushäusern in erdbeben- und taifungefährdeten Gebieten eignet.

Die Studierenden bauten in interdisziplinären Teams zusammen mit Mitgliedern der Dorfgemeinschaft das gemeinsam entworfene Gemeinschaftshaus aus Bambus im gegenseitigen Lernen und Austausch. Aufgrund der negativen Erfahrungen der Dorfgemeinschaft mit der Regierung war eine besonders sensible Annäherung notwendig. So ist es wesentlich, dass der Entwurf des Gemeinschaftshauses vom Dorf gestaltet und mit entwickelt wurde. Der fünfwöchige Bau selbst erfolgte ebenfalls gemeinsam. Innerhalb der interdisziplinären Teams wurden die Gründung, die tragende Struktur, das Dach, die große Außentreppe sowie die drehbaren und festen Wandelemente errichtet.

Zusammen mit den Korbflechterinnen im Dorf wurden 25 Lampenschirme geflochten, die nun nachts das Gebäude erleuchten. Durch den gemeinsamen Bau des Hauses wird die Dorfgemeinschaft erneut mit dem Baumaterial Bambus vertraut. Ursprünglich bauten die Mamanwa viel mit Bambus. Dieses kostbare Wissen ging mit der Zeit verloren. Das Gemeinschaftshaus soll richtungsweisend und Vorbild für weitere Häuser sein. Mit dem Baustoff Bambus kann nachhaltig und kostengünstig gebaut werden, sodass Elemente von der Bevölkerung für den eigenen Hausbau einfach kopiert werden können. Der Stil des Gemeinschaftshauses enthält sowohl traditionelle Elemente der Mamanwa als auch moderne Aspekte, sodass die Attraktivität innerhalb der Dorfgemeinschaft für den Baustoff gefördert wird. Die Einwohner:innen sollen in der Lage sein, eigene Häuser kostengünstig zu bauen bzw. bestehende Häuser auszubauen oder nachzubessern. Mittel- und langfristig sollen der Anbau und die Verarbeitung von Bambus zu einer nachhaltigen Einnahmequelle für die Dorfgemeinschaft werden.

Am 14. März 2024, am geplant letzten Tag des Projekts, wurde die Einweihung des Gemeindezentrums mit dem gesamten Dorf und offiziellen Vertretern der Stadt und der Gemeinde gefeiert. Ein wichtiger Aspekt der Feier war die Übergabe von Dokumenten, die das Gemeindezentrum ins Eigentum der Dorfbewohner von Mamanwa Village übertrug.

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