Bioökonomie und Zirkulärwirtschaft im Bauwesen

Eine Einführung

Die Bioökonomie umfasst die Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen, Prozesse und Systeme, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen für ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem bereitzustellen. Der Übergang zu einer biobasierten Wirtschaft bedeutet einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Dieser wird wesentlich durch wissenschaftlich-technische Innovationen vorangetrieben. Sein Gelingen hängt aber auch von zahlreichen sozialen Prozessen sowie von Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Technik, Wirtschaft und Ökologie ab. Das Buch gibt dazu einen Überblick von historischen Vorbildern bis zu aktuellen biotechnologischen Innovationen. Ansätze der Bioökonomie und der Kreislaufwirtschaft werden mit den üblichen Nachhaltigkeitsstrategien des Bauwesens in Kontext gesetzt. Daraus ergibt sich eine puzzleartige Skizze einer zirkulären Bau-Bioökonomie aus der Perspektive eines interdisziplinären und kulturwissenschaftlich geschulten Beobachters und Vermittlers, der zahlreiche Quellen zurate gezogen hat.

Einleitend wird festgestellt, dass ob des Wachstums der Weltbevölkerung dem globalen Emissionsproblem des Bauens mit regionalen Suffizienzstrategien nicht beizukommen sei. Holzbau diene einerseits als Kohlenstoffsenke, beeinträchtige aber andererseits die Biodiversität. Die Bioökonomie sei gerade mit solchen Widersprüchen als Metapher geeignet, Wirtschaft und Politik Orientierung und Inspiration zu sein. Auf ein breites Spektrum nachwachsender Rohstoffe für das Bauwesen in tragender und konstruktiver Funktion wird eingegangen und auf zahlreiche Innovationen der jüngeren Zeit hingewiesen. Vor dem Hintergrund der globalen Klimaschutzpolitik wird deren Nutzung vermutlich in bisher nicht gekanntem Ausmaß zunehmen. All das wird in den Kontext der detailliert erläuterten historischen und aktuellen Nachhaltigkeitsdiskussion allgemein, der Nachhaltigkeit und Lebenszyklusbetrachtung im Bauwesen sowie des zirkulären Bauens gesetzt. Mehr oder weniger alle Leitthemen und Begriffe werden recht strukturiert erläutert sowie Für und auch Wider betrachtet. Dem folgen Experteninterviews, überwiegend mit Professoren und Bauingenieuren, um der zirkulären Bioökonomie des Bauens näher zu kommen, ein Gespräch zur Technikfolgenabschätzung sowie Beobachtungen zu agrartechnologischen Möglichkeiten. Schlussendlich sei zirkuläre Bioökonomie im Bauwesen Schonung und Erhalt der Baustoffe, wobei biologische Kreisläufe als Inspiration dienten.

Das Buch fühlt sich in seiner locker-intellektuellen Schreibweise und zumindest für das Bauwesen ungewöhnlichen Perspektive wie ein überlanges Feuilleton an und leistet damit einen originellen und auch wertvollen Beitrag zum allfälligen Diskurs zur anstehenden Transformation der Bau- und Immobilienbranche. Die meisten Grafiken scheinen aus einer Präsentation zu stammen und auch sonst ist die Ausstattung ökonomisch. Das Buch ist in seiner Aktualität und Übersicht zeitabhängig – so hurry up!


Bioökonomie und Zirkulärwirtschaft im Bauwesen

Eine Einführung
Jan Grossarth
Wiesbaden: Springer Vieweg (2024)
424 S., Softcover, 49,99 Euro

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