DIFFERENT und das ist gut so!

SAME. SAME … BUT DIFFERENT, hieß es bei der polis Convention in Düsseldorf, Ressourcen für alle beim Bielefelder Symposium Nachhaltige Europäische Bauwende oder Transformation gestalten bei den Ulmer BetonTagen – alles Veranstaltungen, die weniger die Bauwende-Pioniere als vielmehr den Mainstream, Kommunen, Entwickler, Planende, Hochschulen, Baufirmen oder Bauproduktehersteller ansprechen. Der erste Eindruck war jeweils sehr ernüchternd, ziemlich geschäftig und irgendwie fast wie immer – SAME. SAME. Doch das täuschte – hoffentlich. Unter die zahlreichen Dinos der kleinteiligen Branche mischen sich zunehmend quietschfidele Start-ups mit neuen technischen oder geschäftlichen Ideen in Sachen Klimaschutz, Digitalisierung und Bauwende. Auch die Keynotes, Vorträge und Diskussionen drehten sich überall mehr oder weniger deutlich darum, dass wir vieles beim Bauen – aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – grundsätzlich anders, besser machen müssen; definitiv DIFFERENT – und das ist gut so!

Ist also die Zeit vorbei, in der wir uns gegenseitig etwas vormachen? Zumindest ist inzwischen vielen klar, dass es nicht um eine weitere Modewelle geht, sondern die Branche vor einem gewaltigen Umbruch steht. Die Zementriesen beginnen neue Anlagen zu bauen, die in wenigen Jahren CO2 separieren und möglichst einer industriellen Nutzung zuführen sollen. Die Stahlindustrie definiert, was genau grüner Stahl ist oder, ebenfalls mit neuen Anlagen, werden soll. Die viel erträumte Universallösung gibt es jedoch nicht. Weder die Großinvestitionen allein noch der wichtige Holzbau, die notwendige Umbaukultur, zirkuläres Bauen und Urban Mining oder neue alte Konzepte wie Bauen mit Lehm und Stroh werden es jeweils separat richten. Eine tragfähige Lösung für einen klimapositiven und nachhaltigen Bau- und Immobiliensektor wird wahrscheinlich eine Mischung aus alledem und noch viel mehr sein.

Inzwischen ist vielen klar, dass die Bau- und Immo­bilienbranche vor einem ­gewaltigen ­Umbruch steht

Die zunehmend kollektive Wahrnehmung und Akzeptanz der komplexen Realitäten von Klimawandel, Ressourcenknappheit oder Biodiversitätsverlust ist befreiend, nachdem dies lange Minderheitenpositionen waren. Vielen ist nun wohl bewusst, dass die Bau- und Immobilienbranche vor einer Transformation steht. Diese können wir nur umfassend und gemeinsam angehen. Seit den Zeiten der Wärmeschutzverordnung 1977 wurde insbesondere der Wärme- und Energieverbrauch von Gebäuden während der Nutzungsphase betrachtet, während Herstellung, Bau oder Rückbau außen vor blieben. Eine wirkliche Dekarbonisierung gelingt nur mit der sich langsam durchsetzenden ganzheitlichen Betrachtung aller Lebensphasen der Bauwerke. Seit dem Beginn der Moderne und der Industrialisierung haben wir immer schneller werdende lineare Verläufe von Bauen und Abreißen verfolgt. Inzwischen ist vielen klar, dass wir zurück zur bevorzugten Umnutzung des Bestands, zur Wiederverwendung möglichst vieler Bauteile und zum Recycling nahezu aller verbleibenden Baustoffe kommen müssen. Und letztlich brauchen wir neue Geschäftsmodelle für Entwickler, Hersteller oder Baufirmen, die diese Aspekte berücksichtigen. Wir brauchen Rücknahmegarantien von Herstellern wie bspw. für die Holzbauteile beim The Cradle in Düsseldorf. Oder mehr Dienstleistungen, sodass z. B. nicht Fassaden erworben werden, sondern der Raumabschluss mit Wärmedämmung, Lichtdurchlass und Energiegewinnung für 25 Jahre. Auch wichtig ist die Berücksichtigung der zirkulären Wertschöpfung bei der Bilanzierung des Anlagevermögens, wie es für nordrhein-westfälische Kommunen seit März 2023 grundsätzlich möglich ist.

All das darf nicht zu formalen Blablaneutralen Gebäuden führen, auch Ingenhovens Hainbuchen-Monokultur ist für mich ein unnatürlicher, pflegeintensiver und nur sommerschöner Irrweg. Was wir brauchen, sind dauerhafte und ganzheitlich umweltfreundliche Bauwerke und Quartiere, die uns Menschen gleichermaßen dienen wie einer vielfältigen Flora und Fauna. Wir sind ein Teil unserer Umwelt. Macht es endlich klick?

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