Ökobilanzen von Baustoffen für Tragwerke in Abhängigkeit von den Bewertungssystemen im DACH-Raum

Aufgrund der Komplexität der Ergebnisse von Ökobilanzen bestehen Bemühungen, die Fülle an Indikatoren zu einem einzelnen aussagekräftigen Wert als Ergebnis einer Ökobilanz zusammenzuführen. Derartige vollaggregierende Bewertungsmethoden charakterisieren und gewichten einzelne Indikatoren und deren Auswirkungen und führen diese in Punktesysteme über. Die für die Berechnung herangezogenen Ökologieindikatoren basieren auf baustoffbezogenen Datensätzen, welche laut Norm zumindest die Phasen Herstellung, Entsorgung und Wiederverwendung bzw. Recycling deklarieren sollten. In der Praxis verwendete Datenbanken entsprechen derzeit jedoch nur begrenzt diesen Anforderungen. Die in Österreich verwendete Datenbank berücksichtigt etwa nur die Herstellung, in der Schweiz werden Herstellung und Entsorgung herangezogen und in Deutschland zwar alle drei Phasen, diese jedoch nicht immer vollständig.

Ein Vergleich auf Baustoffebene zeigt, dass sich je nach Datengrundlage und Bewertungsmethode teilweise stark unterschiedliche Erkenntnisse und Handlungsanleitungen ergeben. Ergebnisse von Ökobilanzierungen sollten daher immer in Relation zur verwendeten Datenquelle betrachtet werden. Es wird aufgezeigt, dass Datenbanken der KBOB und der ÖKOBAUDAT, welche Herstellung und Entsorgung der Baustoffe einbeziehen, sowie die Methode der ökologischen Knappheit empfehlenswert sind. Die Datenbank baubook sowie der Oekoindex OI3 liefern aktuell nur begrenzt verwendbare Ergebnisse.


Zitterl, T.; Bauer, P. (2024) Ökobilanzen von Baustoffen für Tragwerke in Abhängigkeit von den Bewertungssystemen im DACH-Raum. Bautechnik 101, H. 6, S. 368–380. https://doi.org/10.1002/bate.202300124

Jobs

ähnliche Beiträge

IBU Fachforum 2026

Das IBU Fachforum 2026 in Berlin thematisiert die EU-BauPVO und die Bedeutung verlässlicher ökologischer Produktdaten.

SBTN-Accelerator startet in Deutschland

Der SBTN-Accelerator unterstützt Unternehmen in Deutschland bei der Umsetzung naturbezogener Science Based Targets zur Reduzierung von Umweltwirkungen.

Die innovative Rolle von Suffizienz in der Stadt- und Landschaftsplanung

Andreas Kipar fordert ein Umdenken in der Stadtplanung hin zu Suffizienz und Naturintegration für zukunftsfähige Städte.