Einfach sanieren

Sanierungsstrategien zum Erreichen der CO2-Neutralität

Die Dekarbonisierung des Gebäudebestands stellt eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte dar. Die Komplexität im Baubereich sowie vermeintliche Komfortstandards haben dazu geführt, dass der tatsächliche Heizenergieverbrauch neuer Gebäude den erwarteten Energiebedarf der Planung oft überschreitet – ein Phänomen, das als Rebound-Effekt bekannt ist. Dabei wird weder die energetische Effizienz erreicht noch die Nutzer:innenzufriedenheit sichergestellt. Das Forschungsprojekt Einfach Bauen der TU München zeigt, wie diesem Effekt im Neubau entgegengewirkt werden kann.

Aber wie lassen sich die Einfach-Ansätze auf den Gebäudebestand übertragen? Das politische Ziel, 50 % des Bestands nach dem EH-55-Standard zu sanieren, greift aus mehreren Gründen zu kurz. Dass Bestandsgebäude häufig weniger Energie verbrauchen, als prognostiziert wird (Prebound-Effekt), und der Einsatz an grauer Energie werden in der bisherigen energetischen Bilanz der Nutzungsphase nicht berücksichtigt. Auch sind energetische Vollsanierungen kostenintensiv und resultieren in hohen Kaltmietpreisen, was sie unattraktiv machen und die Sanierungsraten gering halten.

Berücksichtigt man die graue Energie sowie Pre- und Rebound-Effekt, ist die erzielbare Einsparung einer EH-55-Sanierung geringer als zunächst angenommen. Die Einsparungen im Vergleich zu einer minimalinvasiven Sanierung könnten dabei sogar gering ausfallen. Dies legt die Hypothese nahe, dass einfachere Strategien effektiver und günstiger sind und zu einer Beschleunigung der energetischen Bestandssanierung führen würden. Solche Ansätze müssen dringend in der Praxis erprobt und wissenschaftlich validiert werden.

Im Forschungsprojekt Einfach sanieren werden unterschiedliche Sanierungsmaßnahmen an sieben baugleichen Zeilenbauten der 1950er- und 1960er-Jahre umgesetzt und miteinander verglichen. Als Referenzvariante dient eine Vollsanierung nach EH-55-Standard. Das Projekt umfasst eine theoretische Analyse sowie ein Monitoring der Gebäude vor und nach der Sanierung, um Tendenzen im Nutzungsverhalten und damit einhergehende Rebound-Effekte zu erkennen. Jetzt liegt ein erster Zwischenbericht vor.


Einfach sanieren

Entwicklung unterschiedlicher Sanierungsstrategien zum Erreichen der CO2-Neutralität der GGH Gebäude im Pfaffengrund, Heidelberg
Thomas Auer, Florian Nagler, Annalena Veit, Tilmann Jarmer, Ana Sammeck
Zwischenbericht TU München (2024)
https://www.sdb-bw.de/wp-content/uploads/2024/06/Zwischenbericht_EinfachSanieren.pdf


Zur aktuellen Diskussion siehe auch Treibhausgas oder Energie?
https://www.nbau.org/2024/12/13/treibhausgas-oder-energie/

Jobs

ähnliche Beiträge

Ressourceneffizientes und kreislaufgerechtes Umbauen von Fassaden

Studie zur ressourceneffizienten Fassadenerneuerung von 1960er- und 1970er-Gebäuden, mit Fokus auf Nachhaltigkeit und minimalinvasiven Umbau.

Leicht und nachhaltig bauen mit Beton

Überblick über Betonleichtbau-Technologien am ILEK, Fokus auf Mesogradierung und abfallfreie Fertigung mit digitalen Methoden.

Von der Dauerhaftigkeit zur Kreislauffähigkeit: Studie zeigt Potenzial für Wiederverwendung von Betonbauteilen

Studie zeigt Wiederverwendung von Betonbauteilen ist technisch machbar und wirtschaftlich attraktiv, fördert Ressourcenschonung und Klimaschutz.