Entwerfen für den Kreislauf

Die Weltbevölkerung wächst seit Jahrzehnten stetig an. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche Wohlstand. Beide Entwicklungen führen zu einem zunehmenden Druck auf unsere natürliche Umwelt, unser Klima und unsere Ressourcen. Der weitaus größte Teil unserer zum Bau verwendeten Materialien wird im wahrsten Sinne des Wortes konsumiert und nicht aus natürlichen oder technischen Kreisläufen ausgeliehen, um anschließend darin wieder aufzugehen. Dieser lineare Ansatz hat tiefgreifende Konsequenzen für unseren Planeten. Wir greifen tief in bestehende Ökosysteme ein und zerstören unsere eigene Lebensgrundlage – der Klimawandel zeugt davon. Die gebaute Umwelt muss daher als Lagerstätte von Rohstoffen in einem endlosen Kreislaufsystem begriffen werden. Wir brauchen dringend neue Prinzipien für den Bau, die Demontage und die Umgestaltung unserer gebauten Umwelt. Gleichzeitig müssen wir die Frage beantworten, wie neue Materialien zur Verfügung gestellt werden können, die dem Anspruch einer Kreislaufwirtschaft entsprechen und den weiteren Ausstoß von CO2 begrenzen. Wir müssen vermehrt eine Verlagerung hin zum regenerativen Anbau, zur Zucht und zur Kultivierung von Baumaterialien anstreben, anstatt uns weiterhin auf endliche Vorkommen zu verlassen. Diese Prozesse müssen von erneuerbaren Energien angetrieben werden, welche die Emissionsfrage in den Vordergrund der Betrachtung auch von Baugenehmigungen und Förderinstrumenten stellen und nicht mehr nur den Verbrauch von Primärenergien.

Absenkungspfad der CO2-Emissionen im Gebäudesektor in Dänemark (Quelle: Reduction Roadmap 2.0, Denmark, Zeichnung: Johanna Häuser)
Absenkungspfad der CO2-Emissionen im Gebäudesektor in Dänemark (Quelle: Reduction Roadmap 2.0, Denmark, Zeichnung: Johanna Häuser)

Hebel, D. E.; Boerman, E. (2026) Entwerfen für den Kreislauf. Bautechnik 103, H. 1, S. 74–82. https://doi.org/10.1002/bate.70061

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