
Der Beitrag stellt ein am Institute of Green Civil Engineering der BOKU University entwickeltes gesamtheitliches System zur Bewertung der Kreislauffähigkeit von Gebäuden (sowohl Neubauten als auch Sanierungen) vor, das sich aus acht kumulierten Indikatoren zusammensetzt. Dem Zirkularitätsfaktor (ZiFa 1.0) liegt eine umfangreiche Recherche des Standes der Technik zugrunde. Der wesentliche Unterschied des entwickelten Systems zu bestehenden Methoden ist, dass keine allgemeinen Nachhaltigkeitsindikatoren, sondern die Kreislaufwirtschaft priorisiert wird. Dieser Beitrag beinhaltet eine Beschreibung des Systems, die Entwicklung der Indikatoren und die Methodik zur Bewertung eines Gebäudes. Anschließend werden die kumulierten Indikatoren (1) verbaute Materialien, (3) Nutzungsintensität, (4) Flexibilität, (5) Langlebigkeit (6) Rückbau und Reuse, (7) Recycling und (8) Entsorgung inhaltlich beschrieben und deren Subindikatoren und jeweiligen Ziele ausgeführt. Eine Betrachtung des kumulierten Indikators (2) Ökobilanzierung wurde wegen des Umfangs nicht inkludiert. Die Bewertung eines realen Bauprojektes zeigt, dass eine quantitative Bewertung der Zirkularität mit dem ZiFa 1.0 möglich ist, viele Grundlagen in der Planungsphase jedoch noch unzureichend sind. Eine Aussage, beispielsweise zur Materialherkunft (Sekundär- oder Primärrohstoffe), kann nicht getroffen werden. Planungsparameter wie der Abstand tragender Strukturen sind gut verfügbar und bewertbar. Basierend auf den Erkenntnissen erfolgt ein Ausblick über weitere notwendige Untersuchungen, um die Kreislauffähigkeit von Gebäuden bzw. Bauteilen nachweisbar zu machen.
Hammerl, M.; Büchinger, E.; Kromoser, B. (2026) Zirkularitätsbewertung von Gebäuden: Zirkularitätsbewertung von Gebäuden – Konzeptionelle Beschreibung und Beispielanwendung des ZiFa 1.0 – ein Zirkularitätsfaktor für Wien. Bautechnik 103, H. 3, S. 223–237.


