
Wie beschleunigen wir die CO₂-Wende im Bauwesen – konkret, messbar, marktfähig? Zwei Tage lang arbeiteten 50 Expert:innen aus Mitgliedsunternehmen der AACHEN BUILDING EXPERTS (ABE) im Februar mit hoher Intensität an genau dieser Frage. Graue Emissionen drastisch senken, Kreisläufe konsequent schließen und Re-Use in die Praxis bringen: Es ging um Lösungen statt Absichtserklärungen.
Wibke Hermerschmidt (FH Aachen) lieferte eine präzise Analyse des CO₂-Fußabdrucks von Bauprodukten entlang des gesamten Lebenszyklus. Ihr Impuls machte deutlich: Materialeffizienz, kluge Substitution und Zirkularität sind sofort wirksame Hebel.
Susanne Raulf (Raulf Architekten & Clay Concepts GmbH) zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial im modernen Lehmbau steckt: emissionsarm, kreislauffähig, gestalterisch anspruchsvoll. Die Diskussion bewies, wie ernsthaft das Thema in der Praxis angekommen ist.
In Workshops wurde Klartext gesprochen: Wer trägt in den Unternehmen die Verantwortung für Fragen der CO₂-Reduktion? Wie hoch ist die strategische Priorität? Das Ergebnis: CO₂-Reduktion ist kein Randthema mehr – sie wird aktiv gestaltet.
Im World-Café folgten vier Praxisimpulse:
Marco Schröder (ARDEX) präsentierte ARDEX CircuTec für die zerstörungsfreie Wiederverwendung von Fliesen – ein echter Gamechanger für zirkuläre Bodensysteme.
Maic Auschrat und Kristin Kossanyi (CAPAROL) befassten sich mit Holzfassaden im Realitätscheck – differenziert, praxisnah und mit klarer Haltung zur Lebensdauerverlängerung.
Michael Scharpf (Holcim Germany) stellte Carbon Presstresed Concrete CPC-Elemente vor, sie ermöglichen bis zu 80 Prozent Material- und 75 Prozent CO₂-Einsparung.
Joost Meyer (Willowprint) brachte den Teilnehmenden sein Start-up näher: 3D-Druck mit recycelbaren Holzwerkstoffen eröffnet neue konstruktive Freiheiten bei minimalem Materialeinsatz.
Tag 2 Re-Use wird marktfähig
Christina Freese (Concular) zeigte, wie Rezertifizierung und Gewährleistung im Re-Use rechtssicher gelingen können – ein entscheidender Schritt für die Skalierung.
Christian Roth und Jannik Oslender (Baukreisel) präsentierten mit Concrete.matters und Window.matters konkrete Produktstrategien für wiederverwendete Betonbauteile und Fenster. Aus linearen Bauteilen werden marktfähige zirkuläre Produkte.
Lydia Larsen (MorgenGrün) lenkte den Blick auf die LCA der TGA und unterschätzte Emissionsanteile. Sie machte deutlich, welches Potenzial in Re-Use und verlängerten Nutzungsdauern steckt.
Thomas Korr (Carpus+Partner) begleitete die Veranstaltung und hielt Impulse, Diskussionen und Ergebnisse im Graphic Recording fest.
Die Veranstaltung war mehr als ein fachlicher Austausch. Sie war getragen von spürbarer Begeisterung für innovative Lösungen und ein deutliches Signal: Die Branche bewegt sich.

