Fossile Heizung blockiert Bau- und Wärmewende

In ihrer Fastenpredigt in Maria Laach erinnerte Angela Merkel jüngst daran, dass unsere Bemühungen nicht ausreichten, die Welt vor den Folgen der Erderwärmung zu bewahren – und verwies ebenso auf das Artensterben oder den Schutz der Ozeane. Schon 2011 empfahl die Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung unter Klaus Töpfer (CDU) und dem Ingenieur Matthias Kleiner den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien als Grundlage einer sicheren, risikoarmen und tragfähigen Energieversorgung. Wissen und Handlungsoptionen liegen lange vor – auch bei Union und SPD.

Das vermeintlich rein habecksche Gebäudeenergiegesetz regelt bereits seit 2020 den Energieverbrauch im Gebäudesektor und fördert den Einsatz erneuerbarer Wärme. Sechs Jahre später präsentiert nun die nächste schwarz-rote Koalition ihr Eckpunktepapier zum umbenannten Gebäudemodernisierungsgesetz als Neuanfang. Die Abschaffung der 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien wird wohlfeil als Befreiungsschlag verkauft, während unter dem Schlagwort Technologieoffenheit fossile Heizungen zurückkehren, mit planbaren Emissionen, unkalkulierbaren Folgekosten und der sicheren Verfehlung der Klimaziele. Das wird weder die Heizhammer-Populisten beruhigen noch jene, die einfach Orientierung suchen.

Was aber haben Weiterbetrieb oder Neueinbau fossiler Heizsysteme mit Modernisierung zu tun? Tatsächlich nichts. Modernisierung bedeutet für mich: Abhängigkeiten reduzieren, Effizienz steigern, Pfadkosten senken und Klimaziele erreichbar machen. Fossile Kessel leisten all dies nicht – sie schaffen Fakten für Dekaden, vertiefen die fossile Sucht und erschweren künftige Modernisierungen. Gleichzeitig verlangt die EU-Gebäuderichtlinie ab 2030 Nullemissions-Neubauten und auch die Dekarbonisierung des Gebäudebestands bis 2050 war bis dato weitgehend politischer Konsens. Mit einer Ein-Prozent-Grüngasquote und einem unverbindlichen Bio-Stufenplan ist beides kaum erreichbar.

Was haben Weiterbetrieb oder Neueinbau fossiler Heizsysteme mit Gebäudemodernisierung zu tun? Tatsächlich nichts.

Auch die Bio-Treppe ist schwerlich tragfähig. Reststoffe wie Gülle, Klärschlamm oder Bioabfälle mögen regional beitragen, doch für relevante Biogas-Volumina landen wir zwangsläufig bei Energiepflanzen – mit allen bekannten Folgen wie Monokultur, Biodiversitätsverlust, Bodenerosion und Nährstoffüberschuss sowie dem ewigen Ruf nach Agrardieselsubvention. Den Heizkeller über Agrarflächenpolitik grünzurechnen, erzeugt neue Probleme statt Lösungen. Ähnlich unrealistisch ist synthetisches Methan: teuer, ineffizient und im direkten Wettbewerb mit Industrien wie Stahl und Chemie, die ohne grünen Wasserstoff nicht klimaneutral werden können. Knappes Gut gehört in Prozesse, die keine Alternativen haben – nicht in Standardheizungen.

Währenddessen lässt die Politik die Kommunen mit Interpretationsspielräumen und Ressourcenlücken allein. Wohnungsunternehmen können wieder günstige fossile Systeme installieren lassen, die dann teuer – und perspektivisch grün – gespeist werden müssen. Diese Risiken aber landen bei den Privathaushalten. So sehen weder Planungssicherheit noch soziale Gerechtigkeit aus, wohl aber Geschäftschancen für Gasversorger und Immobilienwirtschaft.

Dieses GMG-Eckpunktepapier ist kein Aufbruch, sondern ein Rückzugsgefecht. Es vertagt die Wärmewende und zementiert den Status quo. Die ökologische und ökonomische Wahrheit ist schlicht: Emissions- und Energieeffizienz zuerst. Elektrifizierung, wo sinnvoll und möglich. Wärmenetze mit echten erneuerbaren Quellen. Grünes Gas nur dort, wo es zwingend nötig ist. Alles andere ist Selbstbetrug – etikettiert als Modernisierung. Degressive Emissionsziele würden auch den Liberalen den Wind aus den Segeln nehmen. Die Frage bleibt: Was hat die rückwärtsgewandte Verlängerung fossiler Heizsysteme mit Gebäudemodernisierung zu tun? Mit Fortschritt wenig. Mit Stillstand sehr viel.

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