Herausgegeben von Jens Jakob Happ und Helmut Kleine-Kraneburg

Nachhaltigkeit ist zu einem Leitmotiv des Bauens geworden, und der Sammelband Für eine nachhaltige Architektur der Stadt zeigt, wie breit und vielschichtig die Diskussion darüber inzwischen geführt wird. Er versammelt Stimmen aus Architektur, Stadtplanung, Ökonomie und Kultur und macht deutlich, dass eine zukunftsfähige Baukultur weit über Fragen technischer Effizienz hinausgeht.
Im Zentrum stehen Beiträge verschiedener Autor:innen, die unterschiedliche Aspekte nachhaltiger Stadtentwicklung beleuchten: Volker Mosbrugger beschreibt die Dringlichkeit einer systemischen Nachhaltigkeit und betont die Verbindung von Human-, Natur- und Wirtschaftskapital. Gerrit Confurius entwickelt die Idee der Permanenz und erklärt, warum Umnutzung und Weiterbauen historisch gewachsene Konstanten der Architektur sind. Ernst Böhm fordert eine radikale Neuordnung des Wohnungsbaus, von der Priorisierung des Bestands über Bürokratieabbau bis hin zu steuerlichen Anreizen. Michael Mönninger analysiert die Eigentumsfrage und zeigt, wie Bodenpolitik, Marktmechanismen und soziale Erwartungen das Bauen prägen. Jutta Albus und Kirsten E. Hollmann‑Schröter widmen sich dem Potenzial serieller und modularer Bauweisen, während Dirk E. Hebel und Felix Heisel Wege in eine echte Kreislaufwirtschaft aufzeigen. Auch der Baustoff Lehm erhält mit dem Gespräch mit Anna Heringer ein starkes Plädoyer für regionale Materialien und materielle Authentizität. Diese Vielfalt macht sichtbar, wie eng ökologische, soziale, ökonomische und ästhetische Fragen miteinander verwoben sind.
Für eine nachhaltige Architektur der Stadt überzeugt durch Klarheit der Analysen und Offenheit der Diskussion. Es werden keine einfachen Rezepte geboten, sondern ein produktiver Denkraum geöffnet, in dem Konflikte sichtbar bleiben und zugleich neue Perspektiven entstehen. Die Mischung aus Theorie, Praxisbeispielen und politischen Impulsen macht das Buch zu einem kleinen Kompass für alle, die an einer verantwortungsvollen Weiterentwicklung unserer gebauten Umwelt interessiert sind. Es ist ein anregendes, vielschichtiges und aktuelles Grundsatzwerk – und eine klare Einladung, Architektur wieder als kulturelle Aufgabe zu begreifen, die weit über das Planen und Bauen hinausreicht.
Für eine nachhaltige Architektur der Stadt
Jens Jakob Happ, Helmut Kleine-Kraneburg (Hrsg.)
Verlag Klaus Wagenbach (2025)
160 S., Softcover 15 Euro

