NABU, VHI und HPE fordern politische Leitplanken gegen die Übernutzung des Rohstoffs Holz

Holz ist ein nachwachsender, aber begrenzt verfügbarer Rohstoff. Trotz seiner zentralen Rolle für Klimaschutz, Bauwesen und Kreislaufwirtschaft wird in Deutschland derzeit rund die Hälfte des verfügbaren Holzes energetisch verbrannt – häufig, obwohl es stofflich nutzbar wäre. Diese Fehlentwicklung kritisieren der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) und der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) in einem gemeinsamen Appell. Die Organisationen warnen vor eskalierenden Nutzungskonflikten und plädieren für eine verbindliche Priorisierung der stofflichen Nutzung.
Die Verbände machen deutlich, dass Holz aus nachhaltiger, heimischer Waldbewirtschaftung bereits heute vollständig verplant ist. Freie Mengen für einen Ausbau der Holzenergie existieren nicht. Insbesondere Sägeindustrie, Holzwerkstoffindustrie sowie Möbel-, Verpackungs- und Bausektor sind auf eine verlässliche Rohstoffversorgung angewiesen. Wenn mehr stofflich nutzbare Sortimente in die Verbrennung umgeleitet werden, drohen Preisanstiege, Produktionsengpässe und der Verlust klimapolitischer Vorteile.
Der steigende Bedarf durch Energiewende, kommunale Wärmeplanung und potenzielle Negativ-Emissionstechnologien verstärkt den Druck weiter. Gleichzeitig nimmt die Verfügbarkeit durch Waldschäden, konjunkturelle Schwankungen im Altholzaufkommen und strengere Recyclinganforderungen tendenziell ab. Ohne eine Steuerung drohen Fehlplanungen, etwa wenn neue Wärmekraftwerke Brennstoffe einkalkulieren, die regional nicht nachhaltig bereitgestellt werden können.
Die Verbände kritisieren zudem das Fehlen einer nationalen Biomassestrategie. Diese sollte die verschiedenen politischen Maßnahmen bündeln, klare Prioritäten setzen und ein transparentes Biomasse-Monitoring schaffen. Auf europäischer Ebene ist die Kaskadennutzung bereits in der Bioökonomiestrategie verankert, doch eine nationale Umsetzung steht weiterhin aus.
Konkret fordern NABU, VHI und HPE unter anderem ein Ende der Förderung für Holzverbrennung, ein Verbot neuer Großkraftwerke auf Basis stofflich verwertbarer Holzsortimente sowie strengere Anforderungen bei Genehmigungen für Brennstoffwechsel. Kommunale Wärmeplanungen müssten realistisch verfügbare Holzmengen berücksichtigen und bestehende Wertschöpfungsketten schützen. Auch eine Überarbeitung der Recyclingvorgaben sowie die Unterstützung besonders kleiner Waldbesitzender für eine nachhaltige Bewirtschaftung gehören zum Forderungskatalog.
Die Verbände betonen, dass nur eine faktenbasierte und konsistente Politik die Zielkonflikte zwischen Klimaschutz, Energiewende, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft lösen kann. Holz müsse effizienter genutzt werden – und das bedeute: vorrangig stofflich, mehrfach im Kreislauf und erst am Ende energetisch. Holz sei in den allermeisten Fällen zu schade zum Verfeuern.
Mehr Wertschöpfung und Klimaschutz durch Kaskadennutzung von Holz
Gemeinsamer Appell: Holz vorrangig stofflich nutzen
NABU; Verband Holzwerkstoffe Innentüren, Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung 2026
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