Aktionsprogramm zur Kreislaufwirtschaftsstrategie

Bundeskabinett beschließt Eckpunkte für kurzfristig realisierbare Maßnahmen



Anfang Juni hat das Bundeskabinett den Entwurf des lange erwarteten Aktionsprogramms zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufstrategie veröffentlicht. Für das Bauwesen werden eine Reihe konkreter Maßnahmen und Umsetzungsinstrumente definiert, die über allgemeine Zielsetzungen hinausgehen und direkt in Planung, Bau und Nutzung von Gebäuden eingreifen. Ein zentraler Ansatz ist die systematische Integration digitaler Instrumente, insbesondere digitaler Produktpässe und eines umfassenden Datenökosystems. Diese sollen Materialflüsse im Bau transparent machen, die Nachverfolgbarkeit von Baustoffen sicherstellen und die Grundlage dafür schaffen, Bauteile gezielt wiederzuverwenden oder zu recyceln.

Ein weiterer wichtiger Umsetzungsschwerpunkt liegt in der Förderung von Investitionen und Innovationen. Hierfür stellt die Bundesregierung Fördermittel bereit, unter anderem über Programme zur Entwicklung zirkulärer Technologien und Geschäftsmodelle. Diese Maßnahmen sind technologieoffen angelegt und sollen insbesondere Projekte unterstützen, die nach der Förderphase wirtschaftlich tragfähig sind. Für das Bauwesen bedeutet dies die Förderung neuer Bauverfahren, recyclinggerechter Konstruktionen sowie innovativer Materialien mit hohem Sekundärrohstoffanteil.

Im Bereich der öffentlichen Beschaffung werden Steuerungsimpulse gesetzt. Öffentliche Auftraggeber sollen zirkuläre Bauprodukte und -leistungen nachfragen und den Einsatz von Recyclingmaterialien erhöhen. Gleichzeitig werden Berichts- und Monitoringstrukturen aufgebaut, um den Anteil recycelter Materialien zu erfassen und fortlaufend zu steigern. Ergänzend werden Leitfäden entwickelt, die die Beschaffung von gebrauchten oder wiederaufbereiteten Bau- und Ausstattungsprodukten erleichtern und standardisieren.

Auch regulatorisch sind Anpassungen vorgesehen. Das Kreislaufwirtschaftsrecht wird weiterentwickelt, um Recycling, Wiederverwendung und die Vorbereitung zur Wiederverwendung stärker zu fördern. Für das Bauwesen bedeutet dies perspektivisch strengere Anforderungen an Rückbau, Trennbarkeit von Materialien sowie an die Dokumentation eingesetzter Baustoffe. Ziel ist es, rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die zirkuläres Bauen systematisch begünstigen.

Ein weiterer operativer Hebel ist die Etablierung von Plattformen und Kooperationsformaten. Eine zentrale Umsetzungsplattform soll Akteure aus Bauwirtschaft, Industrie und Politik zusammenbringen, um Maßnahmen konkret zu koordinieren, Pilotprojekte zu initiieren und Best-Practice-Beispiele zu verbreiten. Für das Bauwesen bedeutet dies die gezielte Entwicklung und Erprobung von Demonstrationsprojekten, etwa für zirkuläre Gebäude oder neue Rückbaukonzepte.

Darüber hinaus wird die Rohstoffstrategie mit dem Bauwesen verzahnt. Maßnahmen zur Erhöhung des Recyclinganteils sollen dazu beitragen, den Bedarf an Primärrohstoffen zu senken und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Angestrebt wird, einen wachsenden Anteil kritischer Rohstoffe aus Recyclingprozessen zu decken, was insbesondere für mineralische Baustoffe und Metalle relevant ist.

Schließlich spielen auch datenbasierte Steuerung und Digitalisierung eine Rolle in der Umsetzung. Mit dem Aufbau eines sektorübergreifenden Datenraums für die Kreislaufwirtschaft werden Informationen zu Materialien, Produkten und Abfällen gebündelt. Für das Bauwesen eröffnet dies die Möglichkeit, Materialflüsse über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden hinweg zu analysieren und zu optimieren, wodurch Planung, Rückbau und Wiederverwertung effizienter gestaltet werden können.

Die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen ist zunehmend operativ. Dies erfolgt über Förderprogramme, verbindliche Beschaffungsvorgaben, regulatorische Anpassungen, digitale Infrastrukturen und institutionalisierte Kooperationsformate, die gemeinsam darauf abzielen, das lineare Bauprinzip schrittweise in ein zirkuläres System zu überführen.

Kritik am Aktionsprogramm zur Kreislaufwirtschaftsstrategie

Leider ist das Aktionsprogramm an vielen Stellen hinter der ursprünglichen Strategie der Ampel-Koalition zurückgeblieben. Die Vorgaben für die öffentliche Beschaffung wurden verwässert, wichtige Themen wie Reparatur, Abfallvermeidung oder nachhaltiger Konsum fehlen leider völlig. Auch weitere, zentrale baupolitische Punkte werden gar nicht erst erwähnt. So fehlt eine klare Priorisierung von Erhalt, Umnutzung und Sanierung gegenüber Abriss und Neubau. Weiter brauchen wir eigentlich ein verpflichtendes digitales Gebäudelogbuch mit Gebäuderessourcenpass. Nur wenn wir wissen, welche Materialien in einem Gebäude verbaut sind, können diese später gezielt recycelt oder besser wiederverwendet werden. Und wir brauchen verbindliche Ökobilanzierung, um die tatsächlichen ökologischen Kosten des Bauens endlich ehrlich abzubilden, damit nachhaltigere Baustoffe und Bauweisen stärker berücksichtigt werden können. Zudem stehen viele Maßnahmen des Aktionsprogramms unter Finanzierungsvorbehalt. Gerade der Bausektor, der große Mengen an Ressourcen verbraucht und das Klima entsprechend belastet, braucht langfristige Planungssicherheit und mehr Verbindlichkeit.

Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie

Eckpunkte für kurzfristig realisierbare Maßnahmen
Bundesumweltministerium 2026
https://www.bundesumweltministerium.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Abfallwirtschaft/aktionsprogramm_nkws_bf.pdf

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