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Holzbauten in Modulbauweise sind trotz serieller Produktion und standardisierter Grundstrukturen vielfältig und anpassungsfähig. Insbesondere im Schulbau eröffnen sie große Potenziale: kurze Bauzeiten, ein hoher Vorfertigungsgrad im Werk sowie eine ressourcenschonende Bauweise sprechen für diese Bauart. Gleichzeitig ist der Holzmodulbau in Deutschland vergleichsweise wenig erprobt und stellt erhöhte Herausforderungen an Planung, Genehmigung und Ausführung. Um seine Vorteile voll auszuschöpfen, ist eine frühzeitige und präzise Abstimmung aller Projektphasen – von der Planung über die Produktion bis zur Montage – unerlässlich.
Im Rahmen der Grundschuloffensive der Stadt Rheine wird die Michaelschule um einen dreigeschossigen Erweiterungsneubau in Holzmodulbauweise ergänzt. Der Neubau mit einer Bruttogeschossfläche von rund 2.100 m2 schafft zusätzliche Flächen für Unterricht und Ganztagsbetreuung und stärkt den bestehenden Schulstandort nachhaltig. Nach geplanter Fertigstellung Anfang 2027 wird im Erdgeschoss die Offene Ganztagsschule untergebracht. In den beiden oberen Geschossen entstehen insgesamt acht neue Klassenräume, sechs Differenzierungsräume sowie Sanitärbereiche. Das Raumkonzept ermöglicht eine zeitgemäße, flexible Nutzung und trägt den Anforderungen einer zukunftsfähigen Lernumgebung Rechnung.
Früher Dialog als Entscheidungsgrundlage
Bereits zu Beginn der Planungsphase wurde ein intensiver Dialog zwischen den Architekt*innen von Borowski & Sasse, der Stadt Rheine und Schüßler-Plan initiiert, um unterschiedliche Bauweisen hinsichtlich ihrer funktionalen, wirtschaftlichen und ökologischen Qualitäten zu untersuchen. Das grundsätzliche Interesse des Bauherrn an der Holzbauweise wurde durch die frühe Einbindung potenzieller Holzbaufirmen weiter vertieft. Werksbesichtigungen ermöglichten es den Projektbeteiligten, Fertigungsprozesse, konstruktive Systeme und planerische Rahmenbedingungen aus erster Hand kennenzulernen. Dieses vertrauensvolle Zusammenwirken in den frühen Leistungsphasen war mit entscheidend für die Wahl der Holzbauweise. Nach vertiefenden Grundrissuntersuchungen und intensiven Abstimmungen fiel schließlich die Entscheidung für eine Holzmodulbauweise.
Ausschlaggebend waren insbesondere der hohe Vorfertigungsgrad, die damit verbundene Reduktion der Bauzeit auf der Baustelle sowie die Möglichkeit, unter kontrollierten Bedingungen eine gleichbleibend hohe Bauteilqualität sicherzustellen. Für Folgegewerke wie Technische Gebäudeausrüstung, Elektroinstallationen und Innenausbau steht dadurch frühzeitig eine „trockene Baustelle“ zur Verfügung.
Bauablauf und Nachhaltigkeitsaspekte
Die Montage der vorgefertigten Raummodule erfolgt innerhalb weniger Wochen und ermöglicht eine zügige Realisierung der dreigeschossigen Erweiterung. Dadurch werden Bauemissionen wie Lärm und Staub deutlich reduziert – ein wesentlicher Vorteil im laufenden Schulbetrieb und für die angrenzende Nachbarschaft. Ergänzend unterstreicht die Verwendung von Holz aus europäischen Wäldern den Anspruch, ökologische Verantwortung und ressourcenschonendes Bauen konsequent umzusetzen.

Genehmigung und planerische Komplexität
Mit der Entscheidung für die Holzmodulbauweise gingen besondere bauordnungsrechtliche Anforderungen einher. Für die werkseitig vorgefertigten Raummodule waren sowohl eine Zustimmung im Einzelfall als auch eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung erforderlich. Diese Rahmenbedingungen führten zu erhöhten Anforderungen an die Planung: Konstruktive Details, statische Nachweise, Brandschutzkonzepte und Produktionsabläufe mussten frühzeitig koordiniert und aufeinander abgestimmt werden.
Gerade bei modularen Bauweisen haben spätere Änderungen oftmals weitreichende Auswirkungen auf Genehmigung, Fertigung, Transport und Montage. Aspekte, die bei konventionellen Bauweisen teilweise noch in späteren Planungsphasen angepasst werden können, müssen im Modulbau früh verbindlich geklärt sein. Dazu zählen unter anderem Modulanschlüsse, brandschutzrelevante Bauteilaufbauten, Leitungsführungen, Öffnungen, Fugen, Transport- und Montagekonzepte. Die Planung richtet sich daher nicht allein auf das fertige Gebäude, sondern ebenso auf den gesamten Entstehungsprozess – vom Bauteil über das Raummodul bis zum montierten Baukörper.
Integration von Planung und Produktion
Ein zentrales Merkmal erfolgreicher Holzmodulbauten ist somit die konsequente Berücksichtigung der Detailausbildung von Beginn an. Nur so lassen sich Bauteile vereinheitlichen und hohe Wiederholungsfaktoren für eine wirtschaftliche Produktion im Werk realisieren. Am Beispiel der Michaelschule wird deutlich, wie eng Planung und Ausführung verzahnt sein müssen: Produktionsabläufe des Holzbaus wurden bereits im Rahmen der Tragwerksplanung mitgedacht, während Anforderungen aus Brandschutz, Ausbau und Technischer Gebäudeausrüstung zugleich integrativ koordiniert wurden.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Planer*innen, Bauherr, Genehmigungsbehörden und ausführendem Holzbauunternehmen erwies sich als zentraler Erfolgsfaktor. Der kontinuierliche Austausch schuf Planungssicherheit, reduzierte Schnittstellenrisiken und ermöglichte eine Umsetzung, bei der die spezifischen Vorteile des Modulbaus tatsächlich zum Tragen kommen.
Fazit und Ausblick
Konsequent geplant und umgesetzt bietet die Holzmodulbauweise somit durchaus viele Vorteile: optimierte Bauabläufe, verkürzte Bauzeiten und reduzierte Umweltbelastungen. Davon profitieren nicht nur Umwelt und Auftraggeber, sondern auch die Nutzer*innen und das unmittelbare Umfeld der Schule. Durch die schnelle Montage können Lärm, Staub und Einschränkungen im laufenden Schulbetrieb deutlich reduziert werden.
Über die Nutzungsphase hinaus eröffnet die Bauweise weitere Perspektiven: Die Module der Michaelschule könnten am Ende ihres Lebenszyklus vollständig rückgebaut, wiederverwendet oder recycelt werden. Das Projekt steht damit beispielhaft für eine Baukultur, die ökologische Verantwortung, technische Innovation und partnerschaftliche Zusammenarbeit miteinander verbindet – und zeigt, welches Potenzial im Holzmodulbau für zukünftige Bildungsbauten liegt.
Projektdaten
Auftraggeber: Stadt Rheine
Architektur: Borowski & Sasse
Technische Daten: BFG 2.100 m2
Leistungen Schüßler-Plan: Tragwerksplanung, Schall- und Wärmeschutz
Sascha Spranger und Lukas Felber




