Klima bauen

Ein Lexikon zu Architektur, Landschaftsarchitektur und Raumplanung unterwegs zu Netto-Null

Klima bauen
Ein Lexikon zu Architektur, Landschaftsarchitektur und Raumplanung unterwegs zu Netto-Null
Hrsg. Andreas Herzog
Edition Hochparterre Zürich 2022, 2. Auflage
160 Seiten, Hardcover, 29 CHF

Das kleine Lexikon ist ein echtes Taschenbuch, das jeder bau- und planungsinteressierte Mensch dabei haben könnte. Es ist aus Schweizer Perspektive geschrieben, aber vieles lässt sich wunderbar verallgemeinern. Das Buch will aufzeigen, wie klimagerecht geplant und gebaut werden kann. Dafür werden 79 konkrete Tipps von A wie Asphalt bis Z wie Zusatzstoffe geboten, welche die Branche auf dem Weg zu Netto-Null unterstützen sollen. Das Buch kommt völlig ohne Tabellen, Grafiken und Formeln aus und gibt einen wirklich verständlichen, unaufgeregten Überblick. Lösungsmöglichkeiten werden kurz angedeutet, ebenso wie mögliche Kontroversen. Weil ökologisches Bauen komplex genug ist, fokussiert das Buch auf Klimaschutz und Klimaanpassung. So viel Wissen sollte jede:r haben, die bzw. der sich mit Planen, Bauen und Betreiben beschäftigt. Vieles sind echte Merksätze, die sich auch so mancher alte Hase hinter’s Ohr schreiben könnte. Weil es so schön ist, nachfolgend ein paar davon:

Ökobilanzierung ist keine exakte Wissenschaft. Entscheidend ist der große Hebel, nicht die Nachkommastellen.

Es geht nicht darum, Materialien gegeneinander auszuspielen oder eine Konstruktion zur einzig möglichen Lösung hochzustilisieren. Am Ende zählen die Zahlen.

Beton: Zementanteil minimieren, CO2-armen Beton mit weniger Klinker wählen.

Fassadenbegrünung: Grüne Fassaden betören, aber was kosten sie in Form von Treibhausgasen, Energie und Wasser? Bei bodengebundenen Pflanzen stimmen Aufwand und Ertrag besser überein.

Heizen und kühlen: Keine Öl- oder Gasheizungen mehr.

Holz: Baue mit Holz, wenn der Baustoff regional verfügbar und nachhaltig angebaut wird. Es wachsen nicht genug Bäume, um den Materialhunger der Welt zu stillen.

Recycling: Für Träger und Profile wird praktisch nur rezyklierter Stahl verwendet. Bei Blechen liegt der Anteil nur bei einem Drittel (Stahl hätte einen eigenen Tipp verdient).

Recyclingbeton: Das schont die Ressourcen und die Landschaft, hilft aber nicht gegen die Klimakrise.

Sanieren: Im Bestand liegt der allergrößte Klimahebel.

Tragstruktur: Diese ist der größte Posten in der Treibhausgasbilanz eines Gebäudes. Also keine Auskragungen, Abfangungen, riesige Spannweiten.

Das sind oder sollten alles irgendwie Allgemeinplätze sein, die dann doch nicht immer allen geläufig sind. Wer das praktische Büchlein in der Jackentasche hat, sollte beim Grundwissen Klima bauen sattelfest sein. Wirklich empfehlenswert.

Unter www.klima-bauen.ch gibt es weitere aktuelle Infos zum Thema, aber auch Weiterleitungen zu den kommerziellen Angeboten des Verlags.

Jobs

ähnliche Beiträge

Was ist grüner Stahl?

Einführung des Low Emission Steel Standards (LESS) als Grundstein für Entwicklung grüner Leitmärkte für klimafreundlichen Stahl.

Neue Rechenregeln für die Ökobilanzierung

IBU veröffentlicht aktualisierte PCR Teil A nach EN 15804+A2.

Stärken wir den Wohnungsbau, stärken wir die Demokratie

BDB fordert Sonderfonds für mehr Wohnungsbau in Deutschland.
Vorheriger ArtikelWohnquartiere in Holz
Nächster ArtikelNeufert Bauentwurfslehre