Lehmplatten aus dem Gewächshaus

DBU fördert energiesparende Produktion

Bauen wird zunehmend teurer. Die gestiegenen Kosten von Erdgas und Erdöl führen zu Preiserhöhungen etwa bei Transport und Herstellung von Baumaterialien. Die Firma Claytec hat nun ein energiesparendes Produktionsverfahren entwickelt, bei dem Platten aus einer speziellen Pflanzen-Lehmmischung mit Sonnenkraft im Gewächshaus trocknen. Einsetzbar sind sie wie Gipskartonwände. Das regionale und klimafreundliche Verfahren hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Das Verfahren für Lehmplatten aus Baulehm und Chinaschilf mit energiesparender Sonnentrocknung wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert
Quelle: Claytec

Baulehm aus der Kiesgrube und gehäckselter Chinaschilf für Lehmplatten

Wer als Kind im Matsch spielen durfte, kennt das Gefühl nasser, schwerer Erde an den Händen. Lehm – ein Gemisch aus Ton, Schluff und Sand – lässt sich gut formen und kommt fast überall auf der Welt vor. Um herauszufinden, welche Zusammensetzung sich am besten zur Herstellung einer vergleichsweise leichten, aber stabilen Lehmplatte für den Innenausbau eignet, probierte Claytec-Geschäftsführer Peter Breidenbach unterschiedliche Pflanzen-Lehmgemische aus. „Die besten Testergebnisse im Vergleich zu Stroh, Hanf und Bambus lieferten gehäckselte Miscanthus-Fasern, zu Deutsch: Chinaschilf“, sagt er. In Steinforth Rubbelrath im Rhein-Kreis Neuß traf der Lehmbau-Unternehmer auf ideale Bedingungen: ein brachliegendes Gewächshaus, eine nahe gelegene Kiesgrube, bei deren Betrieb Baulehm als Nebenprodukt anfällt, sowie eine 200 m entfernte Miscanthus-Anbaufläche.

Kurze Wege und passive Solartrocknung mindern Treibhausgasausstoß

Breidenbach will Bauen nachhaltiger machen. „Der Bausektor ist ein besonders energie- und ressourcenintensiver Wirtschaftszweig“, sagt er. Hinein spielen neben der Baustoffherstellung etwa auch die Rohstoffgewinnung, der Transport der Materialien und die Entsorgung. Breidenbach: „Mit unserem regionalen Ansatz der kurzen Wege mindern wir den Energieeinsatz ebenso wie den Treibhausgasausstoß, wodurch das Verfahren klimafreundlicher ist als andere.“ Die Pflanzenfasern in der Lehmplatte haben nach seinen Worten sogar einen positiven Effekt, da sie klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre in Form von Kohlenstoff binden. Zudem verbessert sich die Treibhausgasbilanz des Verfahrens durch die passive Trocknung im Gewächshaus, denn „es wird nur sehr wenig Energie benötigt und die stammt aus regenerativer Erzeugung“, sagt Breidenbach. „Wenn die Sonne im Frühjahr scheint, können wir starten.“

Mit dem Frühling und sonnigeren Tagen beginnt die energiesparende Herstellung von Lehmplatten im Gewächshaus
Quelle: Claytec

Im Gewächshaus wird die Lehm-Pflanzenmischung auf perforierte Formbleche aufgetragen und mechanisch geglättet. „In einem 13 m langen und mit schwarzer Folie abgedeckten Tunnel trocknen gestapelte Formbleche mit Lehmplatten“, sagt Breidenbach. Programmierte Roboter sind nach seinen Worten erforderlich, um die 40 kg schweren Formbleche zu bewegen. Industrieventilatoren sorgen für die Umluft. Doch trocken werden die Platten v. a. durch die Gratisleistung der Sonne, die das Gewächshaus aufheizt.

Lehmplatten wie Gipskartonwände einsetzbar

Übliche Verfahren zur Baustoffherstellung sind häufig auf Gasversorgung angewiesen, „müssen jetzt aber wegen der Energiekrise energetisch effizienter werden“, sagt Sabine Djahanschah, Leiterin des DBU-Referats Architektur und Bauwesen. Die Pflanzen-Lehmmischung als Baustoff könnte nach ihren Worten Aufwind bekommen, denn sie hat ein deutliches Treibhausentlastungspotenzial durch den hohen Pflanzenanteil und die Kreislaufführung. Das Schonen der Ressourcen sei ein weiterer Vorteil. Breidenbach: „Die Platten können wiederverwendet oder der Lehm z. B. als Lehmmörtel wiederverwertet werden – ohne Rohstoffverlust.“

Lehmplatten können wie Gipskartonplatten für den Innenausbau eingesetzt werden
Quelle: Claytec

Das Verfahren schätzt Architektin Djahanschah deshalb als energieeffiziente und ökologische Alternative mit Vorbildcharakter ein. Anwendungstests belegten zudem die Praxistauglichkeit der neuen Platten. Breidenbach: „Die Lehmplatten sind wie Gipskartonwände einsetzbar.“ Das mache sie wirtschaftlich interessant, so Djahanschah. Eine flexible farbliche Gestaltung bedeute ein zusätzliches Plus beim Hausbau. „Das neue Verfahren klingt einfach, beinhaltet aber sehr viel innovative und effizienzsteigernde Entwicklungsleistung“, sagt Djahanschah.

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