Materialgeschichten

3 Recyclinghöfe – Metalle

Um die Thematik rund um Recyclinghöfe besser zu verstehen, haben wir all jene in und um Weimar herum besucht. Auf den Wertstoffhöfen (Bild 1) landen laut Wikipedia-Definition „Stoffe, die nach ihrem Gebrauch wieder genutzt, zu anderen Produkten umgewandelt oder in Rohstoffe aufgespaltet werden können“ [1], also alle Wertstoffe, welche man wiederverwerten und zurück in den Wirtschaftskreislauf bringen kann.

Wir haben viel Sperrmüll entdeckt, aber auch Altholz, Metallschrott, Grünschnitt, Bauabfälle, Elektrogeräte, Altpapier, Glas, Textilien, Leuchtstofflampen, Starterbatterien und vieles mehr. Die Sekundärstoffe werden getrennt, verwertet und dürfen dann erst sachgemäß beseitigt werden. Metallisches Material zum Beispiel wird sehr hochwertig hergestellt, lässt sich bei sortenreiner Trennung ohne Qualitätsverlust recyceln und wird daher gern auf den Höfen gesehen. Die Herstellung bzw. Einschmelzung ist allerdings sehr energieintensiv. Viel graue Energie, also jene, die wir auf den ersten Blick durch Gewinnung, Herstellung, Verarbeitungsprozess sowie Einschmelzung nicht sehen, muss aufgebracht werden. Daher, und auch weil in Unmengen vorhanden, haben wir uns einige Metallrohre sowie ausrangierte Aluminiumflansche geschnappt (Bild 2). Gemäß dem höchsten Urban-Mining-Credo Weiterverwenden als erste Wahl!

Auf Nachfrage, was mit dem Container passiert, dessen Inhalt „nicht wiederverwendbar“ ist (Bild 3), werden wir freundlicherweise auf das Kreislaufwirtschafts Gesetzbuch KrWG hingewiesen. „Was auf der Deponie endet, ist Abfall und kann, ja darf sogar, nicht wiederverwendet werden.“ Es wird Zeit, dass sich bei der Definitionsfrage einiges ändert!

Ein großes Danke geht an die W.K.W. Recycling GmbH in Apolda, welche uns die Flansche auf Leihbasis mitgegeben hat. Sofern der Aluminiumpreis innerhalb der Frist nicht steigt, haben wir ein gutes Geschäft gemacht. Wenn doch, zahlen wir die Differenz!

Durch eine geringe Wärmeleitfähigkeit sowie hervorragende Schallschutzeigenschaften stellt Kork eine gesunde und nachwachsende Alternative zu herkömmlichen Dämmmaterialien dar. Zudem ist er leicht, langlebig, elastisch, wasserdicht, feuerhemmend und zu 100 % wiederverwendbar. Regelmäßig geerntete Korkeichen speichern drei- bis fünfmal mehr CO2 als solche, die nicht geerntet werden. Aktuell warten im Umweltamt der Stadt Weimar 4 x 120-l-Säcke gesammelter Korken auf eine Nachnutzung. Wir haben auf die Naturkorken des einzigen Weinguts Weimars (Bild 4) zurückgegriffen.

Agnes und Andreas Freyer haben uns netterweise einen ganzen Sack voll zur Verfügung gestellt, da sie jedes Jahr für ihre 0,7 ha Weinreben 4000 Korken bestellen, aber jedes Jahr nur 3600 davon brauchen. Wenn sie keine genormte Stückzahl bestellen, wird’s teuer! Also leider 400 Korken Überfluss, die hart und unnutzbar werden (Bild 5).

Entgegen allen Vorurteilen erzählt Andreas: „Die Korkrinden schälen sich praktisch von selbst, es ist genug vorhanden.“

Wir danken dem kleinen Familienbetrieb für die Weinkorken-Spende!


Literatur

  1. Wikipedia (o. J.) Wertstoff [online]. San Francisco: Wikimedia Foundation Inc. https://de.wikipedia.org/wiki/Wertstoff [Zugriff am: 12. Apr. 2022]

Autorinnen

Marie Heyer
Nora Iannone
info@materialgeschichten.org

Bauhaus Universität Weimar
Fakultät Architektur und Urbanistik

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