Baujuwel wird wärmepumpentauglich

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Innendämmungen aus Holzfasern dämmen verblüffend gut und erlauben verschiedene Wandsysteme

Bei Altbauten reichen oft wenige Zentimeter Innendämmung aus, um den Heizenergiebedarf so weit zu senken, dass sich das Heiz­system auf eine energieeffiziente Wärmepumpe umstellen lässt. Innendämmungen aus Holzfasern bringen dabei neben ökologischen und baubiologischen auch bauphysikalische Vorteile [1, 2].

In einem Münchener Hinterhof soll ein architektonisches Juwel energetisch saniert werden: ein sog. Kutscherhaus, Baujahr 1899, zweigeschossig, nicht unterkellert, denkmalgeschützt – und weit entfernt von heutigen Energiestandards (Bild 1). Einen Endenergiebedarf von über 300 kWh/(m2a) errechnete Architekt und Energieberater Tankred Winter. Den Erdgeschossfußboden zu dämmen und die vorhandene Zwischensparrendämmung um eine Aufsparrendämmung zu ergänzen, würde den Endenergiebedarf nur um ein Zehntel senken, eine 6 cm starke Innendämmung an den Außenwänden jedoch um ein Drittel.

Der um ein Drittel gesenkte Endenergiebedarf reicht für eine Umstellung des Heizsystems auf eine Luftwärmepumpe aus – wenn die alten Heizkörper durch Flächenheizungen ersetzt werden. Da im Kutscherhaus ohnehin ein neuer Fußboden verlegt werden muss, ist eine Fußbodenheizung am sinnvollsten. In anderen Altbauten kommen aber auch Decken- und Wandheizungen infrage. Vor allem Wandheizungen, denn die lassen sich in die Innendämmung integrieren.

Die durch die Innendämmung und Flächenheizung ermöglichte Wärmepumpe senkt den Endenergiebedarf nochmals um mehr als die Hälfte – beim Kutscherhaus auf insgesamt fast ein Viertel des Ausgangsniveaus.

Innen zu dämmen ist hocheffizient

Dass bereits eine relativ schlanke Innendämmung viel bewirkt, hat einen simplen Grund: Jede Verdopplung der Dämmstoffdicke bedeutet eine Halbierung der Wärmeverluste. Die Energieeinsparung wird also mit jeder Verdopplung geringer, das Verhältnis von Aufwand und Nutzen immer ungünstiger. Am effizientesten dämmen immer die ersten Zentimeter (Bild 2). Dass für das Anbringen einer Innendämmung außen kein teures Gerüst aufgebaut werden muss, macht sie wirtschaftlich hochattraktiv. Deshalb sind Innendämmungen auch bei Geschossbauten eine sinnvolle Option, wenn sich die Wohnungseigentümer nicht auf ein gemeinsames Sanierungskonzept einigen können.

Förderung als Einzelmaßnahme

Das Dämmen der Außenwand von innen wird von der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) als Einzelmaßnahme in Höhe von 15 % bzw. 20 % der Baukosten gefördert. Dafür muss die Außenwand einen U-Wert von 0,45 W/(m2K) erreichen – und das Gebäude ein Baudenkmal oder sonstige erhaltenswerte Bausubstanz sein. Bei Fachwerkfassaden beträgt der zu erreichende U-Wert gar nur 0,65 W/(m2K).

Die BEG fördert außerdem systemische Sanierungen zum Effizienzhaus Denkmal mit zinsgünstigen Krediten plus Tilgungszuschuss. Dafür darf der Primärenergiebedarf maximal 160 % von dem des Referenzgebäudes betragen. Beim Kutscherhaus würde es genügen, nur die drei fensterlosen Außenwände auf der Nord-, West- und Ostseite von innen zu dämmen und das Heizsystem auf eine Wärmepumpe umzustellen.

Stärke der Innendämmung frei wählbar

Was aber, wenn das Gebäude keine erhaltenswerte Bausubstanz ist? Oder wenn gar keine Förderung gewünscht wird? Wer im GEG nach dem Begriff Innendämmung sucht, sucht vergebens. Zwar schreibt es für die Außenwandsanierung einen U-Wert von 0,24 W/(m2K) vor, doch der gilt nur für das Anbringen von Dämmschichten auf der Außenseite einer bestehenden Wand. Das bedeutet im Umkehrschluss: Beim Anbringen auf der Innenseite muss kein bestimmter U-Wert erreicht werden.

Beachtet werden muss nur der Mindestwärmeschutz zum Erhalt der Bausubstanz und der Bewohnergesundheit. Letzteres bedeutet: Es darf sich an der Wandoberfläche kein Schimmel bilden. Dieses Risiko wird durch eine Innendämmung reduziert, denn die Temperatur der Wandoberfläche steigt durch diese deutlich an. Das hat noch einen weiteren positiven Effekt: Da die Wärmestrahlung der raumumgrenzenden Flächen für das menschliche Temperaturempfinden eine wichtige Rolle spielt, kann die Temperatur der Raumluft niedriger sein. Der Energiespareffekt verstärkt sich.

Vorteile von Holzfaser-Dämmstoffen

Holzfaser-Dämmstoffe wie die speziell für die Innendämmung entwickelte STEICOinternal (Bild 3) weisen als Naturprodukte eine hohe baubiologische Qualität auf und speichern große Mengen CO2, schützen das Klima also doppelt. Zudem können sie bis zu 15 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, zwischenspeichern und wieder abgeben, ohne dabei nennenswert an Dämmleistung einzubüßen. Dadurch können sie Phasen hoher Raumluftfeuchte abpuffern, ein gesundes Raumklima fördern und die Bausubstanz vor zu starker Durchfeuchtung schützen.

Dieses Feuchtemanagement der Holzfaser-Dämmstoffe wird gerade erst wissenschaftlich erkannt – durch zwei europäische Forschungsprojekte: das Ende 2022 abgeschlossene IN2EuroBuild und das noch laufende ThermNat. Das Fraunhofer-Institut und andere renommierte Forschungsorganisationen fanden bei ihren Untersuchungen verschiedener Innendämmungen u. a. heraus, dass Holzfaser-Dämmstoffe belegbar höhere Feuchteverhältnisse vertragen, als dies in den technischen Normen und Richtlinien bisher abgebildet ist.

Kernaufgabe eines Dämmstoffs ist aber die Wärmedämmung. Da ist die STEICOinternal mit ihrem λD-Wert von 0,038 W/(mK) deutlich besser als z. B. die häufig verwendeten Kalziumsilikatplatten mit ihren 0,045–0,065 W/(mK). Im Kutscherhaus würde eine 6 cm starke STEICOinternal den Außenwand-U-Wert von 1,3 W/(m2K) auf 0,43 W/(m2K) verbessern. Die BEG fordert nur 0,45 W/(m2K). Doch auch ohne Förderung lohnt sich eine Innendämmung angesichts steigender Energiepreise. Vor allem, wenn sie eine Wärmepumpe ermöglicht.

Alternativen mit mehr Tragfähigkeit

Wenn allerdings an der Außenwand Lasten wie Bilder, Regalbretter oder Fliesen befestigbar sein sollen, dann braucht es eine andere Lösung: mit tragfähigen Platten als raumseitige Bekleidung (Bild 4). Dann werden auf die Bestandswand Wandständer montiert und deren Gefache mit flexiblen Holzfaser-Dämmmatten wie der STEICOflex 036 gefüllt. Deren λD-Wert beträgt 0,036 W/(mK), dafür ist ihr Feuchtespeichervermögen geringer, weshalb die Gefache mit dampfbremsenden OSB-Platten oder einer Dampfbremsbahn verschlossen werden. Darüber kommen dann Gipskarton-, Gipsfaser- oder dünne Holzfaser-Putzträgerplatten wie die ­STEICObase, wenn eine Putzoberfläche gewünscht ist.

Die U-Werte variieren nur gering: ein Ausgangs-U-Wert von 1,3 W/(m2K), wie ihn das Kutscherhaus aufweist, wird durch eine 6 cm starke STEICOinternal auf 0,43 W/(m2K) verbessert, durch Wandständerlösungen mit 6 cm Dämmstärke auf 0,45–0,47 W/(m2K). Prozentual ausgedrückt: 6 cm verbessern den ­U-Wert um 64–67 %, 8 cm um 70–73 %, 10 cm um 74–77 % (Bild 5).

Welche Dämmstärke sinnvoll ist, ergibt sich aus dem U-Wert der Bestandswand, aus der Frage, ob ein förderfähiger U-Wert erreicht werden soll, und aus der Größe der Flächenheizung, wenn auf eine Wärmepumpe umgerüstet werden soll. Zusammen bilden diese Maßnahmen ein für Altbauten hochattraktives Konzept, weil sich mit relativ wenig Aufwand viel Energie einsparen lässt.

Wandaufbau (v. a. n. i.):

Außenputz
Mauerwerk
Innenputz
Klebeschicht
Holzfaser-Dämmplatte STEICOinternal
(λD-Wert: 0,038 W/mK)
Unterputz
Oberputz

 STEICOinternal
[mm]
U-Wert
[W/(m2K)]
U-Wert-
Verbesserung
mit Innen­dämmung 100 0,30 77 %
80 0,36 73 %
60 0,43 67 %
40 0,56 57 %
Bestands­mauerwerk  1,30  

Wandaufbau (v. a. n. i.):

Außenputz
Mauerwerk
Innenputz
Klebeschicht
Holzfaser-Dämmplatte STEICOinternal
(λD-Wert: 0,038 W/mK)
Unterputz
Oberputz

 STEICOflex 036
[mm]
U-Wert
[W/(m2K)]
U-Wert-
Verbesserung
mit Innen­dämmung 100 0,32 75 %
80 0,37 71 %
60 0,45 66 %
40 0,55 58 %
Bestands­mauerwerk  1,30  

Wandaufbau (v. a. n. i.):

Außenputz
Mauerwerk
Innenputz
Holzfaser-Dämmmatte STEICOflex 036
(λD-Wert: 0,036 W/mK)/
Wandständer Kantholz
Dampfbremsbahn
STEICOmulti renova
Gipsplatte 12,5 mm

 STEICOflex 036
[mm]
U-Wert
[W/(m2K)]
U-Wert-
Verbesserung
mit Innen­dämmung 100 0,34 74 %
80 0,39 70 %
60 0,47 64 %
40 0,60 54 %
Bestands­mauerwerk  1,30  

Wandaufbau (v. a. n. i.):

Außenputz
Mauerwerk
Innenputz
Holzfaser-Dämmmatte STEICOflex 036
(λD-Wert: 0,036 W/mK)/
Wandständer Kantholz
OSB-Platte 15 mm
Holzfaser-Putzträgerplatte STEICObase 20 mm
(λD-Wert: 0,048 W/mK)
Unterputz
Oberputz

 STEICObase +
STEICOflex 036
[mm]
U-Wert
[W/(m2K)]
U-Wert-
Verbesserung
mit Innen­dämmung 20 + 80 0,33 75 %
20 + 60 0,38 71 %
20 + 40 0,46 65 %
Bestands­mauerwerk  1,30  

Literatur

  1. STEICO (2023) Planungsheft Innendämmung. www.t1p.de/alipg
  2. Informationsdienst Holz (2022) Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten. www.t1p.de/6jokn

www.steico.com

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