Kampf gegen Hitzeinseln: nicht nur begrünte ­Flächen überzeugen

Anzeige

Die Temperaturen steigen global – doch nirgends so dramatisch wie in den Städten. Bis 2100 könnten sich die Temperaturen im urbanen Raum um bis zu 4,4 °C erhöhen. Schon 2050 könnte es in London so warm sein wie heute in Barcelona. Zeit, sich neuen Lösungsansätzen zu öffnen.

Potenziale voll ausschöpfen

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin hat verschiedene Maßnahmen auf ihre Kühlungspotenziale hin bewertet. Als besonders effektiv für die Abkühlung von Städten werden helle Fassaden und die Pflanzung von Stadtbäumen angesehen. Auch die Entsiegelung von Flächen und die Begrünung von Fassaden leisten einen bedeutenden Beitrag, wohingegen der Dachbegrünung nur ein geringes Potenzial zugeschrieben wird.

Klar wird auch: am wirkungsvollsten ist eine Kombination verschiedener Maßnahmen. Durch sie kann eine Abkühlung von bis zu 7 °C erreicht werden. Dieses Ziel ist herausfordernd und die Maßnahmen zur Erreichung sind häufig kostspielig oder platzintensiv. Eine Lösung könnte darum der großflächige Einsatz entsiegelter und dennoch belastbarer Flächen sein.

Das Potenzial dieser Form der Flächenbefestigung hat eine wissenschaftliche Studie der französischen Firma O2D Environnement beleuchtet.

Studie belegt den positiven Einfluss unversiegelter Flächen

Die unversiegelten Parkplätze, die Untersuchungsgegenstand der Studie sind, wurden mit dem Kunststoffgitter TTE® MultidrainPLUS des süddeutschen Herstellers HÜBNER-LEE befestigt und mit Pflastersteinen befüllt oder begrünt (Bild 1). Vorteil dieser speziellen Lösung zur unversiegelten Flächenbefestigung: die modularen Verbundplatten sind hoch belastbar, für den Schwerlastverkehr zugelassen und können so großflächig in den urbanen Raum integriert werden.

Während vier Hitzewellen in den Jahren 2018–2020 wurde jeweils die Oberflächentemperatur einer asphaltierten Fläche sowie der Systemlösungen TTE® GRÜN und TTE® PFLASTER und einer Kontrollrasenfläche untersucht. Mit beeindruckenden Ergebnissen (Bild 2).

Befestigt, aber kühlend wie natürlicher Rasen

Wenig überraschen dürften die Ergebnisse der TTE®-GRÜN-Fläche: tagsüber sind die begrünten Flächen im Schnitt 5 °C kühler als die Asphaltfläche. Nachts kühlt die Oberflächentemperatur der begrünten Fläche noch einmal ab und liegt ganze 6,8 °C unter der Temperatur der Asphaltfläche. Sie erreicht damit nahezu gleiche Werte wie die unbefestigte Kontrollrasenfläche.

Der starke Kühlungseffekt von TTE® GRÜN hängt auch mit dem besonderen Aufbau der Fläche zusammen. Durch die lastverteilenden Eigenschaften des Gitters, in das der belastbare Rasen eingesät wird, kann der Aufbau mit einem Schotterrasensubstrat (Substrat-Schottergemisch), statt wie bei anderen begrünbaren Belägen üblich mit einer rein mineralischen Tragschicht realisiert werden. Das Substrat nimmt Niederschläge wie ein Schwamm auf und sichert so die Wasserversorgung der Pflanze über einen längeren Zeitraum. Gleichzeitig können sich die Wurzeln der Pflanzen über die Kammern hinaus ausdehnen, wodurch sich die Wasser- und Nährstoffversorgung und somit auch die Vitalität und die Fähigkeit zur Transpiration der Pflanze verbessern – ein massiver Vorteil konventionellen Rasengittern gegenüber. Letztere erreichen oftmals nicht die Rahmenbedingungen, um einen Bewuchs unter Verkehrsbelastung am Leben zu halten und auch die kühlende Wirkung fällt schlechter aus als mit TTE® GRÜN.

Ein weiterer positiver Effekt: die Luftqualität verbessert sich durch die üppige Begrünung unter TTE® GRÜN, da Feinstaub durch die vitalen Pflanzen gebunden wird.

Überraschende Ergebnisse der Pflaster-Lösung

Spannend sind die Ergebnisse der TTE®-PFLASTER-Fläche. Tagsüber erreicht die Fläche nahezu gleiche Temperaturen wie die Asphaltfläche. Ihre große Stärke im Kampf gegen Hitzeinseln zeigt sich nachts: Die TTE®-PFLASTER-Fläche kühlt nach Sonnenuntergang auf 22,8 °C ab und ist somit ganze 6,2 °C kühler als die asphaltierte Fläche. Erreicht wird die beeindruckende Abkühlung durch die geringere thermische Trägheit der Materialien und die bodennahe Luftzirkulation, die durch die unversiegelte Bauweise gefördert wird.

Gerade diese nächtliche Abkühlung ist essenziell, um das Wohlbefinden der Bewohner:innen zu verbessern. In Tropennächten, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C sinkt, kann sich der menschliche Organismus während des Schlafs kaum erholen. Dies kann in der Folge v. a. bei älteren Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen zu einer starken Belastung des Herz- Kreislaufsystems führen, die schlimmstenfalls sogar Todesopfer fordert.

Auch Stadtbäume leiden unter Hitzestress, wenn die Temperaturen durchgehend hoch sind. Gleichzeitig fehlt es ihnen durch die hohe Flächenversiegelung im urbanen Raum häufig an Wasser. TTE®-PFLASTER-Flächen sind unversiegelt und versickern Regenwasser dort, wo es anfällt, anstatt es oberflächig abzuleiten. Neben der Versorgung der Bäume mit Wasser wird so auch ein Beitrag zur Vermeidung urbaner Sturzfluten durch Starkniederschläge geleistet.

Entsiegelte Flächen großzügig integrieren

Anders als natürliche Rasenflächen, Schotterrasen oder Drainpflaster kann TTE® für Parkplätze, Feuerwehrzufahrten, Logistikflächen, Geh- und Radwege oder wenig befahrene Straßen eingesetzt werden (Bild 3). TTE® bietet die Chance, unversiegelte Flächen großzügig ins Stadtbild zu integrieren und deren Kühlungspotenzial voll auszuschöpfen, ohne dabei nutzbaren Raum zu verlieren.

www.huebner-lee.de

Jobs

ähnliche Beiträge

Bioökonomie und Zirkulärwirtschaft im Bauwesen

Buch setzt Ansätze der Bioökonomie und der Kreislaufwirtschaft mit Nachhaltigkeitsstrategien des Bauwesens in Kontext.

Feuchtemonitoring

Beitrag in der Zeitschrift Bauphysik: Feuchtemonitoring eines Flachdaches in Holzbauweise mit Holzfaser-Zwischensparrendämmung.

4. PEFC-Forum Nachhaltig handeln und kommunizieren

4. PEFC-Forum am 3. Juli in Berlin zum Thema Nachhaltig handeln, nachhaltig kommunizieren: den Rohstoff Holz ins rechte Licht rücken.