Energiewende vor Ort: Kommunen wollen gestalten, stoßen aber an klare Grenzen

Bundesweite Bürgermeisterbefragung zeigt hohes Engagement in Städten und Gemeinden, aber dringenden Handlungsbedarf bei Finanzierung, Netzen und Verfahren



Die Energiewende wird in Deutschlands Kommunen bereits aktiv umgesetzt. Das ist das zentrale Ergebnis einer bundesweiten Befragung von 609 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die von Heimatwurzeln e.V. und der Initiative Klimaneutrales Deutschland durchgeführt wurde. In nahezu allen Bereichen des kommunalen Infrastrukturwandels – von Strom über Wärme bis hin zur Mobilität – laufen Projekte oder sind konkret geplant. Wo dies noch nicht der Fall ist, besteht häufig ein grundsätzlich hohes Interesse.

Besonders weit verbreitet sind Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden sowie öffentliche Ladesäulen für Elektroautos. Auch Windkraft und Freiflächen-Photovoltaik spielen in der kommunalen Planung eine wichtige Rolle und könnten bis 2035 in etwa jeder zweiten Gemeinde realisiert werden. Wärmebezogene Technologien wie Fern- und Nahwärmenetze, Großwärmepumpen oder Geothermie sind hingegen bislang seltener umgesetzt, stoßen aber auf wachsendes Interesse.

Trotz dieses Engagements geraten viele Kommunen an strukturelle Grenzen. Als größte Herausforderungen nennen die Befragten die Finanzierung eigener Projekte, fehlende Netzkapazitäten und langwierige Genehmigungsverfahren. Nur drei Prozent der Kommunen geben an, dass Netzanschlüsse vor Ort kein Problem darstellen. Insbesondere auf der Verteilnetzebene fehlen häufig Kapazitäten, Transparenz und personelle Ressourcen. Gleichzeitig verfügen vor allem kleine und ländliche Gemeinden nur über sehr begrenzte personelle Kapazitäten, um komplexe Energieprojekte zu planen und umzusetzen.

Die Befragung macht deutlich, dass die Kommunen weniger neue Förderprogramme fordern, sondern vor allem einen einfacheren Zugang zu bestehenden Mitteln. Zwei Drittel der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sprechen sich für Pauschalförderungen und vereinfachte Kofinanzierungen aus. Auch Liquiditätshilfen, Standardverfahren und verlässliche Rahmenbedingungen werden als zentrale Hebel für eine schnellere Umsetzung genannt.

Ökonomisch sehen viele Kommunen in der Energiewende eine große Chance. Zwei Drittel der befragten Gemeinden erzielen bereits Einnahmen aus erneuerbaren Energieprojekten, vor allem aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen. Diese Mittel fließen überwiegend in den allgemeinen Haushalt, teilweise aber auch in Schuldentilgung, soziale Infrastruktur oder Klimaschutzmaßnahmen. Gleichzeitig zeigt sich, dass vielen Kommunen Informationen und Kapazitäten fehlen, um bestehende Beteiligungsinstrumente wie Zahlungen nach §6 EEG konsequent zu nutzen.

Auch die politische Kommunikation spielt aus Sicht der Kommunen eine wichtige Rolle. Rund zwei Drittel der Befragten nehmen die bundespolitische Debatte zur Energiewende als belastend für die Akzeptanz konkreter Projekte vor Ort wahr. Dabei schätzen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die grundsätzliche Akzeptanz in der Bevölkerung überwiegend als hoch ein. Als entscheidenden Faktor für die Zustimmung nennen sie finanzielle Vorteile für Bürgerinnen und Bürger sowie die Kommunen selbst.

Die Ergebnisse der Studie zeigen insgesamt ein klares Bild: Die Kommunen sind bereit, die Energiewende vor Ort umzusetzen und aktiv mitzugestalten. Damit dies gelingt, brauchen sie jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen, funktionierende Netzinfrastrukturen und vor allem einfache, praxistaugliche Finanzierungs- und Genehmigungsstrukturen. Nur so kann das vorhandene Engagement in Städten und Gemeinden sein volles Potenzial entfalten.

Bundesweite Bürgermeisterbefragung 2026, Heimatwurzeln e.V. und Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND)

https://initiative-klimaneutral.de/publikationen/befragung-kommunale-energiepolitik

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