Ausstellung am Holz-Lehmbau Campus Berlin gewährt Einblicke in Forschung und Praxis

Mit der Ausstellung Formen, Forschen, Transformieren. Holz-Lehm-Hybrid – Reallabor für regeneratives Bauen hat der Holz-Lehmbau Campus Berlin (HLCB) in Berlin-Weißensee im Mai 2026 erstmals seine Türen für die Öffentlichkeit geöffnet. Präsentiert wurden dort die Ergebnisse eines Forschungs- und Bauprojekts, das sich mit zirkulären und emissionsarmen Bauweisen beschäftigt. Die Ausstellung fand direkt auf der Baustelle des Campusgebäudes statt und verband Einblicke in Architektur, Materialentwicklung und Bauprozesse.
Der Campus ist aus einer Initiative von B&O Bau und Gebäudetechnik sowie dem Architekturbüro sauerbruch hutton hervorgegangen und wurde 2022 gestartet. Ziel war es, nachhaltige Bauweisen unter realen Bedingungen zu entwickeln und umzusetzen. Inzwischen fungiert das Projekt als Reallabor, in dem Planung, Bauausführung und wissenschaftliche Forschung eng zusammengeführt werden. Gefördert wird das Vorhaben von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Neben den Initiatoren sind unter anderem Bauhaus Erde als wissenschaftliche Leitung sowie weitere Fachverbände beteiligt.
Auf einer Fläche von rund 1.700 Quadratmetern entstehen Büroarbeitsplätze sowie ein flexibel nutzbarer Veranstaltungsraum, der als Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau dient und sich zum öffentlichen Raum orientiert. Das Projekt verfolgt den Anspruch, praxisnahe Lösungen für eine breitere Anwendung nachhaltiger Bauweisen zu entwickeln und deren Übertragbarkeit zu testen.

Im Mittelpunkt stehen Materialien, die regional verfügbar, nachwachsend und kreislauffähig sind. Dazu gehören unter anderem Holz aus märkischer Kiefer, Lehm, Stroh, Zellulose und Holzfaserdämmstoffe sowie Bauteile aus Paludi-Biomasse. Die Konstruktionen sind so ausgelegt, dass sie demontiert und wiederverwendet werden können. Ein wesentliches Ergebnis der Forschungsarbeit ist die Entwicklung einer Holz-Lehm-Hybriddecke, die die strukturellen Eigenschaften von Holz mit bauphysikalischen Vorteilen von Lehm kombiniert, etwa in Bezug auf Feuchteregulierung, Wärmespeicherfähigkeit und Raumakustik.
Auch im Bereich der Gebäudetechnik wird ein reduzierter, sogenannter Less-Tech-Ansatz verfolgt. Dieser setzt auf einfache und robuste Systeme wie passive Kühlung durch Nachtlüftung, Fensterheizungen, Wärmepumpen und Photovoltaik sowie die Nutzung von Regenwasser. Ergänzt wird dies durch ein Monitoring, das den Gebäudebetrieb auswertet und Optimierungspotenziale aufzeigt.
Die Ausstellung machte diese Ansätze für Fachöffentlichkeit und interessierte Besucherinnen und Besucher unmittelbar erfahrbar. Sie zeigte, wie aktuelle Forschungsergebnisse in konkrete Baupraxis übersetzt werden und welche Möglichkeiten sich für eine ressourcenschonende und klimaverträgliche Bauweise bereits heute eröffnen.

