Klimadesinformation im deutschen Fernsehen

Ergebnisse und Bedeutung für Medien, Politik und Gesellschaft


Hauptnarrative der Desinformation zu Nachhaltigkeitsthemen im deutschen Fernsehen – Analyse für den Zeitraum April 2025 bis April 2026, Quelle: QuotaClimat
Hauptnarrative der Desinformation zu Nachhaltigkeitsthemen im deutschen Fernsehen – Analyse für den Zeitraum April 2025 bis April 2026, Quelle: QuotaClimat

Ein aktueller Bericht von QuotaClimat, Science Feedback und Data For Good analysiert die Verbreitung von Fehl- und Desinformation zum Klimawandel im deutschen Fernsehen und zeigt, dass dies ein strukturelles Risiko für die Integrität öffentlicher Information darstellt. Untersucht wurden zentrale Fernsehsender in Deutschland im Zeitraum von April 2025 bis April 2026, wobei ein besonderer Fokus auf Aussagen lag, die wissenschaftlich widerlegt oder irreführend sind und nicht unmittelbar im Programm korrigiert wurden. Das Ergebnis verdeutlicht, dass Klimadesinformation selten in Form direkter Leugnung auftritt, sondern vielmehr über subtilere Strategien wie Verzögerungsargumente, wirtschaftliche Zweifel oder politische Rahmungen verbreitet wird.

Die Analyse zeigt, dass Klimathemen insgesamt nur einen kleinen Anteil der Berichterstattung ausmachen und stark ereignisgetrieben sind. Aufmerksamkeitsspitzen entstehen vor allem im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen, Extremwetterereignissen oder energiepolitischen Debatten. Gleichzeitig treten Phasen gehäuft auf, in denen Desinformation besonders stark vertreten ist, etwa nach Wahlen, während Hitzewellen oder im Kontext energiepolitischer Entscheidungen. Dabei wurde festgestellt, dass sich Fehlinformationen weniger gleichmäßig verteilen, sondern in solchen Momenten verstärkt auftreten und so besonders wirksam in öffentliche Debatten eindringen.

Inhaltlich dominieren vor allem Narrative, die die Energiewende und Klimapolitik infrage stellen. Häufig geht es um angeblich hohe Kosten, mangelnde Zuverlässigkeit erneuerbarer Energien oder wirtschaftliche Nachteile für Deutschland. Weitere wiederkehrende Muster sind die Verschiebung von Verantwortung – etwa durch den Verweis auf Emissionen anderer Länder – sowie die Relativierung oder Infragestellung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Diese Narrative wirken weniger durch einzelne falsche Fakten als durch ihre wiederholte Einbettung in vertraute gesellschaftliche Konflikte und wirtschaftliche Sorgen.

Ein zentrales Ergebnis betrifft die Rolle der Akteure. Ein großer Teil der Desinformation wird von externen Gästen und politischen Akteuren verbreitet, während Journalistinnen und Journalisten in vielen Fällen Aussagen nicht ausreichend einordnen oder hinterfragen. Dadurch entstehen Formate, in denen scheinbare Ausgewogenheit zwischen wissenschaftlichem Konsens und randständigen Positionen hergestellt wird. Diese Form der „falschen Balance“ trägt dazu bei, irreführende Darstellungen zu normalisieren und ihnen zusätzliche Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Auffällig ist zudem, dass sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Sender gleichermaßen betroffen sind, was auf ein strukturelles Problem im Mediensystem hinweist. Bestimmte Sendungsformate wie Talkshows oder schnell getaktete Live-Programme erhöhen dabei die Wahrscheinlichkeit, dass problematische Aussagen ungeprüft verbreitet werden. Insgesamt zeigt sich, dass nicht einzelne Fehler, sondern wiederkehrende Strukturen und Mechanismen zur Verbreitung von Klimadesinformation beitragen.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Herausforderung nicht allein im Widerlegen einzelner falscher Aussagen liegt, sondern in der grundlegenden Stärkung des Informationssystems. Empfohlen werden unter anderem bessere Aus- und Weiterbildung für Journalistinnen und Journalisten, klarere Auswahl und Einordnung von Expertinnen und Experten sowie stärkere redaktionelle Standards. Darüber hinaus wird die Einrichtung unabhängiger Beobachtungsstellen vorgeschlagen, die Desinformation systematisch erfassen und analysieren. Langfristig erfordert die Bekämpfung von Klimadesinformation jedoch umfassendere Maßnahmen, die auch wirtschaftliche Interessen, politische Kommunikation und die Rolle digitaler Plattformen einbeziehen, um eine verlässliche und faktenbasierte öffentliche Debatte zu sichern.

Climate misinformation as a systemic risk to information integrity in German media

How can journalists strengthen environmental information through quality media
QuotaClimat, Science Feedback und Data For Good.
https://quotaclimat.org/en/

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