Nasswiesengräser bringen Bewegung in den Trockenbau

Brandenburger Moorprojekt zeigt neue Perspektiven für klimafreundliche Baustoffe aus nassen Moorböden


Prototypen von Trockenbauelementen aus Paludibiomasse. Quelle: FNR/L.Schmidt
Prototypen von Trockenbauelementen aus Paludibiomasse. Quelle: FNR/L.Schmidt

In Brandenburg trifft Moorbodenschutz auf Bauinnovation. Bei einer Feldexkursion des Projekts WetNetBB wurden Ende April Einblicke in das derzeit größte Moorbodenschutzvorhaben des Landes gegeben. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wiedervernässte Niedermoorflächen wirtschaftlich genutzt werden können – und welche Rolle Nasswiesengräser dabei für das Bauwesen spielen können. Ziel des Projekts ist es, tragfähige Geschäftsmodelle für Biomasse aus nassen Mooren zu entwickeln und damit Klimaschutz und regionale Wertschöpfung zu verbinden.

Die Projektfläche liegt auf dem Kranichhof in Ribbeckshorst, rund 60 Kilometer nordwestlich von Berlin. Der landwirtschaftliche Biobetrieb bewirtschaftet dort über 500 Hektar Grünland, unter anderem mit Wasserbüffeln und schottischen Hochlandrindern. Durch neue wasserbauliche Maßnahmen soll der Wasserstand künftig auch im Sommer hoch gehalten werden. Damit werden die Voraussetzungen für eine dauerhafte Wiedervernässung geschaffen, die nicht nur dem Moor- und Klimaschutz dient, sondern auch neue Nutzungsoptionen eröffnet.

Neben der Tierhaltung rückt vor allem die stoffliche Nutzung von Nasswiesengräsern in den Fokus. Im Projekt WetNetBB werden innovative Anwendungen jenseits der klassischen Landwirtschaft erprobt. Dazu gehört die Verarbeitung von Paludibiomasse zu Baustoffen. Nasswiesengräser gelten als besonders interessant, weil sie auf feuchten Standorten gut wachsen und gleichzeitig große Mengen Kohlenstoff im Boden binden können. Ihre Nutzung ermöglicht es, Moore nass zu halten und dennoch wirtschaftlich zu bewirtschaften.

Konkretes Interesse aus der Baupraxis kommt unter anderem von einem Berliner Unternehmen, das Trockenbauwände auf Basis nachwachsender Rohstoffe herstellt. Bislang wird vor allem Stroh eingesetzt, doch Nasswiesengräser aus Paludikultur könnten perspektivisch eine noch klimafreundlichere Alternative darstellen. Für das Bauwesen sind solche Materialien vor allem im Innenausbau relevant, etwa für leichte Trennwände oder Bauplatten, bei denen geringe graue Emissionen und gute Umweltkennwerte zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Für die Bau- und Immobilienbranche eröffnen sich damit neue Optionen, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Baustoffe aus Nasswiesengräsern können einen messbaren Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten und zugleich regionale Wertschöpfungsketten stärken. Insbesondere im Trockenbau, wo große Materialmengen verarbeitet werden, bieten biobasierte Alternativen die Chance, CO₂-intensive Produkte Schritt für Schritt zu ersetzen.

Das Brandenburger Moorprojekt zeigt, dass Moorbodenschutz und Bauwesen keine Gegensätze darstellen. Im Gegenteil: Die Nutzung von Nasswiesengräsern verbindet Klimaschutz, Naturschutz und innovative Materialentwicklung. Dies ist ein Beispiel dafür, wie natürliche Rohstoffe aus sensiblen Ökosystemen verantwortungsvoll genutzt und zu zukunftsfähigen Baustoffen weiterentwickelt werden können – mit trockenen Wänden aus nassen Mooren.

Carbon Removal und Carbon Farming (CRCF) –  

Chancen und Anwendungen für die Land- und Forstwirtschaft

23. Juni 2026 im GLS Campus Berlin & online
https://veranstaltungen.fnr.de/carbon-farming-2026/programm

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