Begrenztes Potenzial der Kohlenstoffbindung durch globale Ökosystem-Renaturierung 

Eine aktuelle Studie in Nature Geoscience stellt die weit verbreitete Annahme infrage, dass die Renaturierung von Ökosystemen ein zentrales Mittel zur Eindämmung des Klimawandels sein kann. Mithilfe eines modellbasierten, globalen Vorhersageansatzes quantifizieren die Autor:innen das maximale Potenzial zur Kohlenstoffbindung durch die Wiederherstellung von Wäldern, Grasländern, Feuchtgebieten und Buschlandschaften bis zum Jahr 2100. 

Zentrale Ergebnisse: 

  • Das maximale globale Kohlenstoffbindungspotenzial durch Renaturierung beträgt 96,9 Gigatonnen Kohlenstoff (Gt C)
  • Dies entspricht lediglich 17,6 % der historischen anthropogenen Emissionen und nur 3,7–12,0 % der projizierten Emissionen bis 2100. 
  • Frühere Schätzungen überschätzten das Potenzial, da sie sich zu stark auf Aufforstung konzentrierten und andere Ökosystemtypen vernachlässigten. 

Ökologische und klimatische Aspekte: 

  • Offenland-Ökosysteme wie Grasländer und Savannen speichern große Mengen Kohlenstoff im Boden und sind widerstandsfähiger gegenüber Feuer und Dürre als Wälder. 
  • Eine Umwandlung dieser Ökosysteme in Wälder (z. B. durch Aufforstung) kann negative Auswirkungen auf Biodiversität, Wasserverfügbarkeit und Feuerregime haben. 
  • Klimawandelbedingte Veränderungen könnten die langfristige Stabilität renaturierter Ökosysteme zusätzlich gefährden. 

Politische Relevanz: 

  • Politische Initiativen wie das EU-Naturwiederherstellungsgesetz und die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen sollten die Kohlenstoffbindung nicht als primäres Ziel betrachten. 
  • Stattdessen sollte der Fokus auf Biodiversitätsschutz, Resilienz gegenüber Klimafolgen und lokale Lebensgrundlagen gelegt werden. 

Fazit: 
Die Studie liefert eine differenzierte Bewertung der Rolle von Ökosystem-Renaturierung im Klimaschutz. Sie plädiert für einen realistischen Blick auf das Kohlenstoffbindungspotenzial und betont die Notwendigkeit, Renaturierungsmaßnahmen stärker an ökologischen und sozialen Zielen auszurichten. 


Tölgyesi, C.; Csikós, N.; Temperton, V.M. et al. (2025) Limited carbon sequestration potential from global ecosystem restoration. Nature Geoscience 18, 761–768.  

https://doi.org/10.1038/s41561-025-01742-z

Mehr Informationen auf Deutsch gibt es unter  

https://www.leuphana.de/einrichtungen/fakultaet/nachhaltigkeit/aktuell/ansicht/2025/08/06/neue-wissenschaftliche-belege-fuer-unwirksame-und-ungerechte-klimapolitik.html

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