
Das Buch Multifunktionale und nachhaltige Grünflächen widmet sich der Rolle von Grünflächen im Spannungsfeld von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und urbaner Entwicklung. Grün wird dabei nicht als dekorative Restfläche verstanden, sondern als zentrale Infrastruktur moderner Städte und Kulturlandschaften. Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass gerade im Siedlungsraum ein großes Potenzial liegt, ökologische Funktionen, gesellschaftliche Ansprüche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen neu zu verbinden.
Das Thema wird systematisch von den Grundlagen bis zur praktischen Umsetzung betrachtet. Eingangs wird die Geschichte des Offenlandes skizziert und gezeigt, dass artenreiche Wiesenlandschaften keine Selbstverständlichkeit sind, sondern historisch durch das Zusammenspiel von Natur und menschlicher Nutzung entstanden. Darauf aufbauend werden zentrale Begriffe wie Biodiversität und Nachhaltigkeit erläutert und deutlich gemacht, dass biologische Vielfalt immer als Zusammenspiel von Arten, Lebensräumen und genetischen Ressourcen zu verstehen ist. Im weiteren Verlauf richtet sich der Blick auf die konkrete Gestaltung und Pflege von Grünflächen. Ein zentrales Anliegen ist dabei die Differenzierung verschiedener Flächentypen – vom intensiv genutzten Rasen bis hin zu extensiven Wiesen oder historischen Grünlandformen –. Die Dominanz monotoner Rasenflächen wird kritisch hinterfragt. Dem wird ein breites Spektrum an Alternativen entgegengesetzt, etwa extensive Mahd, Mosaikpflege oder Beweidungskonzepte, die gezielt auf Strukturreichtum und Artenvielfalt abzielen. Ein wesentliches Leitmotiv ist die Idee der Multifunktionalität. Grünflächen sollen mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen: Sie tragen zur Klimaanpassung bei, bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen, verbessern die Luftqualität und dienen zugleich als soziale Räume. Diese Perspektive verbindet ökologische Argumente mit Fragen der Gestaltung, Nutzung und Akzeptanz. Zahlreiche Praxisbeispiele und Gastbeiträge zeigen, wie solche Ansätze in Kommunen umgesetzt werden können, verweisen aber auch auf Hindernisse wie mangelnde Ressourcen oder unzureichende Pflegekonzepte. Ergänzt wird dies durch konkrete Handlungsempfehlungen – von der Auswahl standortgerechten Saatguts über Pflegepläne bis hin zu Strategien der Öffentlichkeitsarbeit. Besonders betont wird dabei, dass Biodiversität nicht durch kurzfristige Maßnahmen entsteht, sondern durch kontinuierliche, angepasste Pflege und ein grundlegendes Umdenken im Umgang mit Grünflächen.
Multifunktionale und nachhaltige Grünflächen ist ein engagiertes und praxisnahes Plädoyer für einen grundlegenden Wandel in der Grünflächenplanung. Hervorzuheben ist die Verbindung von ökologischer Erklärung, planerischem Anspruch und konkreten Handlungsvorschlägen. Die Argumentation ist pointiert und teilweise zugespitzt, bleibt jedoch durchgehend anwendungsorientiert. Insgesamt bietet das Buch eine fundierte Grundlage für alle, die sich mit urbanem Grün beschäftigen, und zeigt überzeugend, dass nachhaltige Grünflächen mehr sind als ein ästhetisches Element – nämlich eine zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige, lebenswerte Umwelt.
Multifunktionale und nachhaltige Grünflächen
Philipp Unterweger (Hrsg.)
Verlag Eugen Ulmer (2025)
240 S., Hardcover, 65 Euro


