Nachhaltigkeits-Bilanzierung auf Grundlage der Gemeinwohl-Ökonomie GWÖ

Waren es zu Beginn der Coronakrise, neben den Unterbrechungen in den globalen Logistikketten, hauptsächlich gesundheitliche und individual-rechtliche Herausforderungen, so schärft nun Putins Invasion erneut das Bewusstsein für Risiken in den Geschäftsmodellen. Mit dem klaren Bekenntnis zu Menschenrechten und Solidarität mit der Ukraine schließen viele Unternehmen ihre Werke in Russland, lassen ihre Beteiligungen in Joint Ventures ruhen oder verfallen bzw. ziehen sich aus dem russischen Markt zurück. Die Verluste in Milliardenhöhe sind die Firmen bereit, zu verkraften. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von fossilen Energien eklatant spürbar. Multiple Krisen bedrohen die Wirtschaft in vielen Aspekten.

Hätten die Unternehmen im Vorfeld die Risiken erkennen und minimieren können? Ethische und ökologische Risiken zu erkennen, ist eine Aufgabe der Unternehmensleitung, damit sie sich im Einklang mit den Erkenntnissen der Wissenschaft und der Entwicklung der Zivilgesellschaft bewegen. Aus nicht finanziellen Themen können schnell manifeste finanzielle Themen werden. Eine Nachhaltigkeits-Bilanzierung auf Grundlage der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) hilft bei der Früherkennung und Einordnung der Risiken und zeigt Chancen auf, die in der Nachhaltigkeit liegen. Orientiert an demokratischen Werten, die auch im Grundgesetz verankert sind – wie Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitwirkung –, den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDG) und der Erd-Charter werden für eine GWÖ-Bilanz in 20 Themenfeldern positive und negative Punkte vergeben. Negativpunkte zeigen auf, wo aus öko-fairer Sicht die Risiken im Geschäftsmodell stecken.

Mithilfe der GWÖ-Bilanz erhält das Unternehmen frühe Warnsignale in ökologischen und sozialen Themen sowie in Bezug auf verantwortliche Unternehmensführung (Governance):

  • So wird im ökologischen Bereich abgefragt, inwieweit das Geschäftsmodell von ökologisch bedenklichen Ressourcen abhängig ist (fossile Energien, erdölbasierte Chemie, ökologische Risiken in der Lieferkette) und ob Gewinne zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks eingesetzt werden.
  • Bei den sozialen Risiken werden überhöhte Einkommensunterschiede, Kooperation mit Mit-Unternehmen zum Nachteil anderer Marktteilnehmer oder das Ausnutzen von Marktmacht gegenüber Lieferant:innen betrachtet.
  • In Bezug auf verantwortliche Geschäftsführung stehen mangelnde Prävention von Korruption, unethische Werbung und unangemessen niedrige Steuerzahlungen unter Beobachtung.

Somit fungiert eine GWÖ-Bilanz zugleich als Kompass durch Risiken und als Wünschelrute für die Chancen einer frühzeitigen Transformation in Richtung nachhaltiger Geschäftspraktiken. Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf strukturelle und ethische Risiken durchleuchten wollen, finden weitere Informationen zur GWÖ-­Bilanzierung unter web.ecogood.org/de.

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