A4F konstruktiv

Langsam, aber stetig

Müdigkeit macht sich breit, gerade jetzt, wo wir sie am wenigsten gebrauchen können. Müdigkeit, die Probleme zu benennen. Müdigkeit, Lösungen aufzuzeigen. Müdigkeit über alles.

Was wir brauchen, sind konkrete Hoffnung und tiefe Erholsamkeit, aber die sind rar und die AfD fährt währenddessen Rekordergebnisse ein, was einen einfach nur den Kopf schütteln lassen möchte. Darüber zu lamentieren, wie schlimm alles ist – und das ist es –, wäre zwar gerechtfertigt, aber es gibt einfach zu wichtige Dinge zu tun, als dass dafür Zeit wäre. Fair ist es auch nicht, dass die Herausforderungen, die uns der Zeitgeist des letzten Jahrhunderts eingebrockt hat, auf dem Rücken der Zivilgesellschaft ausgetragen werden. Alle zeigen mit dem Finger auf die Politik und sagen, dass sie endlich die richtigen Rahmenbedingungen schaffen soll, damit alles in die richtige Richtung gehen kann. Aber was, wenn die selbst so ausgebrannt sind, dass sie nicht wissen, wie der Kahn am besten zu steuern ist? Natürlich ist es der Job unserer gewählten Vertreter, vernünftige und faire Politik zu machen – doch die, die man so schnell ist zu verurteilen, sind genauso fehleranfällig, zu moralisch verwerflichem Handeln fähig und vielleicht zuweilen emotional fragil wie der Rest der Bevölkerung. Man läuft Gefahr, sich so in eine allzu komfortable Position zu manövrieren, wo man meint, es seien einem die Hände gebunden, da die Umstände es nicht zuließen, die Dinge anders zu hand­haben. Doch so funktioniert Verantwortung wohl nicht. Verantwortung funktioniert eher in der Art, fähig zu sein gemäß oder trotz des eigenen Vermögens oder Unvermögens, Rechenschaft für die eigenen Taten abzulegen und dies gleichzeitig von anderen einfordern zu können oder ihnen entsprechend ihrem (Un-)Vermögen dazu zu verhelfen, dies zu tun. Ganz schön viel Verantwortung, die jedoch umso leichter wird, je mehr wir davon für uns selbst und die Welt übernehmen. Es geht wohl letztendlich darum, nicht ungerecht zu werden, so belastend die Umstände auch sein mögen. 

Es ist auch ganz schön schwierig, einen solch hohen Anspruch zu erfüllen. Klingt deprimierend? Ja, aber vielleicht geht es auch da­rum, anzuerkennen, dass man die Dinge nicht immer beschönigen oder einen Schuldigen benennen muss, um etwas daran zu ändern. Wichtig ist, etwas zu machen. Konkretes. Ein reifes Maß an Optimismus blickt den Tatsachen in die Augen und behält trotzdem im Blick, was getan werden muss. Self-care ist dabei wichtig. Achtsamkeit ist wichtig. Teilen ist wichtig. Neinsagen ist wichtig. Im Grunde sind das die Dinge, die wir auch in der Baubranche und in allen Industriezweigen insgesamt brauchen. Von allem weniger. Dafür mehr Engagement. Individuell geht es v. a. um Mut und Integrität. Mut, Autorität infrage zu stellen. Mut, für die eigene Meinung einzustehen. Mut, Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Planer im Bauwesen tragen eine immense Verantwortung für hohe Summen, Ressourcenmengen und die Gesundheit von Mensch und Umwelt. Da ist kein Platz, zu schludern oder klein beizugeben. Man darf auch einfach ungehorsam sein und gegen Anweisungen aufbegehren. Es gibt viele Wege, das Richtige zu tun – und jedes kleine bisschen ist tatsächlich etwas. Vielleicht kumuliert es sich auf, inspiriert andere Meschen und überzeugt letztlich sogar die Mehrheit. Aber dafür muss irgendjemand anfangen – und das kann wirklich jeder Einzelne sein. 

Architects for Future Deutschland e.V.

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