DGNB startet Petition und fordert Umdenken im Bausektor

#TimeToWorry

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e. V. und der Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen an der TU München haben unter dem Titel #TimeToWorry eine weltweite Petition gestartet. Darin werden verbindliche Richtlinien und Gesetzgebungen für eine nachhaltige Bauindustrie mit dem Fokus auf kulturell und klimatisch angemessene Bauweisen gefordert.

Um vermeintliche Komfortanforderungen einzuhalten, werden Gebäude heutzutage nach wie vor technisch aufgerüstet und mit immer mehr Materialien errichtet. Dabei wird nicht hinterfragt, was an dem Ort tatsächlich angemessen, gesund und insbesondere klimatisch und kulturell richtig wäre. Die klare Botschaft der Kampagne lautet daher: One-fits-all sowohl in der Architektur als auch in der technischen Ausführung ist keine Lösung für unsere globalen Herausforderungen! Der Gebäudesektor ist weltweit für über ein Drittel der jährlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Um das zu ändern, müssen die Regierungen weltweit Verantwortung übernehmen und Gesetzgebungen und Richtlinien für eine angemessene, dem Ort entsprechende Architektur implementieren, die auf maximale Effekte und nicht allein auf Effizienz fokussiert. Dieser Paradigmenwechsel ist dringend notwendig, um den Klimawandel im Sinne einer lebenswerten Zukunft für alle zu beeinflussen und gleichzeitig Gebäude und Städte zu schaffen, in denen sich Menschen wohl fühlen.

Anlass für die Kampagne #TimeToWorry war der sog. Buildings Breakthrough, dem beim diesjährigen Buildings Day im Rahmen der Weltklimakonferenz am 6. Dezember 2023 27 Länder beigetreten sind. Darunter Deutschland, die USA und China. Damit einher geht die Verpflichtung, die Transformation des Bausektors im eigenen Land zu beschleunigen, um bis 2030 einen nahezu emissionsfreien Gebäudebestand zu erreichen und diesen langfristig zum neuen Normal zu machen. Nun gilt es, diese Selbstverpflichtung in einer Gesetzgebung zu verankern, die sowohl aus den richtigen Zielen als auch aus der richtigen Haltung heraus abgeleitet wird. So fordert die Petition, zentralen Nachhaltigkeitsprinzipien zu folgen, die gleichermaßen in Entwurf, Planung, Betrieb und Umbau zu verankern sind:

  • Häuser und Stadtteile sind für Menschen und kein Selbstzweck oder begehbares Anlagevermögen.
  • Gebäude und Infrastruktur müssen qualitätsvoll und damit langlebig geplant, gebaut und betrieben werden – anstatt schnell und günstig zu bauen.
  • Passive und Lowtech-Gebäudekonzepte, die robust und angemessen auf zukünftige klimatische Anforderungen reagieren können, müssen im Fokus stehen. Wir werden mit Technik nicht gegen den Klimawandel anbauen können.
  • Es braucht ambitionierte und verbindliche CO2-Grenzwerte für die Konstruktion und den Betrieb der Gebäude sowie Quoten für lokal bezogene, wiederwendete und biogene Materialien, die zur Anwendung kommen.
  • Die sinnvolle und lange Nutzung und damit die Transformation des Gebäudebestands und der Städte muss im Fokus stehen.

Mit der Kampagne #TimeToWorry soll die Breite der Gesellschaft erreicht werden. Alle, denen das Thema wichtig ist, sind daher aufgerufen, die Petition zu unterzeichnen. Ziel ist es, gemeinsam ein Umdenken im Bausektor auf internationaler Ebene zu erwirken. Das Bauen von heute und morgen soll ab sofort klima- und kulturangepasst erfolgen.


Alle Informationen zur Kampagne #TimeToWorry gibt es unter www.buildingsensenow.com. Dort gibt es auch den Link zur Petition auf der Plattform change.org.

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